Seht dort den Mönch, kapuzumhüllt die Augen!

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Anastasius Grün: Seht dort den Mönch, kapuzumhüllt die Augen! Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Seht dort den Mönch, kapuzumhüllt die Augen!
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Doch diesen scheint ihr Wohnhaus nicht zu taugen,
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Zween Adlern gleich, aus dunkeln, öden Klüften
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Zum Flug sich schwingend nach den sonn'gen Lüften.

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»auf meinem Haupt, von der Kapuz' umdunkelt,
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Hat einst ein Helm mit grünem Zweig' gefunkelt;
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Dieß Herz, in eine Kutte jetzt verkrochen,
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An einen Panzer trieb's kampflustig Pochen!

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Wie rauschten, Leipzig, einst auf deinen Bahnen
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Ums trunkne Haupt uns der Begeist'rung Fahnen
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Daß, wer da fiel, mit Jauchzen, wohl wie trunken
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Unter des Lebens grünen Tisch gesunken!

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Der Himmel glüht', als schien' er selbst zu bluten,
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Die Sonne lag auf rothen Dampfesfluthen,
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Als wenn ob uns der Purpur Deutschlands schwebte,
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Und sie auf ihm als Kaiserkrone bebte!

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Uns Alle deckte mild sein Riesenschatten,
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Darunter focht sich's gut und ohn' Ermatten!
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Doch saht ihr's, wie in Fetzen er zerflogen
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Und Nebel blieb, der gaukelnd uns belogen!

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Die Banner, drauf in Gold: Freiheit! geschienen,
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Sie sind zerrissen, und das Wort mit ihnen!
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Mir graute nimmer vor des Kampfes Wüthen,
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Doch bebt' ich vor des Siegeskranzes Blüthen!

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Mein Lorberreis, ich gab es preis den Lüften,
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Und die Begeist'rung trug ich stumm zu Grüften,
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Daß sie, wie Todte in der schwarzen Erde,
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In dieser Kutte still bestattet werde.

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Ihr, die ihr schlaft auf Leipzigs Fluren, Brüder,
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Einst tritt zu euch der Waffenbruder wieder;
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Das wird ein lustbarlich Erkennen geben,
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Seht ihr im Maskenkleid heran ihn schweben!

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Statt mich in freies, grünes Feld zu neigen,
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Daß meinem Herzen Blumen frisch entsteigen,
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Muß dann in dumpfe, dunkle Gruft ich schweben,
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Unfruchtbar, ach, im Tode, wie im Leben!

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Statt farb'gem Kleid und blankem Wehrgeschmeide,
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Dran sich die arme, kahle Erde weide,
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Wird meinen Leib die Kutte scheu umschleichen
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Und meine Lend' ein Strick, das Sklavenzeichen!

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Statt daß bekränzt die Fahn' aufs Grab sich senke,
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Als ob sie mein in stillem Dank gedenke,
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Wird die Kapuz' aufs Auge mir gerissen,
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Fürwahr, als ob sie mein sich schämen müssen!

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Statt daß im Trauermarsch die Trommeln hallen,
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Den letzten Gruß der Brüder Büchsen knallen
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Und pochend an des Himmels Pforten schlagen,
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Dem alten Krieger Einlaß anzusagen;

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Schnarrt dumpf zur Gruft mein Sarg am Seile nieder,
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Umkrächzen mich der Mönche heis're Lieder
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Mit müdem Flügelschlag, wie satte Raben!
52
Wirst du auch, deutsche Freiheit, so begraben?«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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