Ich sah der Aebte Bilder in der Halle

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Anastasius Grün: Ich sah der Aebte Bilder in der Halle Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Ich sah der Aebte Bilder in der Halle,
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In schwarzem Kleid, mit Inful, Krummstab alle;
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Mir schien's, als stünden reihweis' im Spaliere
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Um mich des Grabes Gardegrenadiere.

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Du mit dem Busenkreuz von Edelsteinen,
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Jüngling, magst selbst ein lebend Grabmal scheinen;
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Mich dünkt's, als ob dir unter'm Kreuze lägen
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Begraben deines Herzens Fried' und Segen.

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Du, Greis, gebeugt zum Buch vor dir, dem alten,
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Du gleichst, vertieft in seine morschen Spalten,
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Der Weide, die sich neigt zum Stein am Grabe,
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Als ob sie's, seine Schrift zu lesen, labe.

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Du, kräft'ger Mann, wie stünd' ein Schwert dir prächtig!
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Wohl auch das Zepter schwäng'st du gut und mächtig!
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Wie Schade! Doch vielleicht an einem Tage
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Wiegt Zepter, Krummstab, Schwert gleich schwer zur Wage.

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Du dort, deß Aug' voll Lebensglanzes spielend
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Liebäugelt, nach dem Todtenkopfe schielend!
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Jetzt ist's verkehrt! Ins schöne Aug' des Lebens
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Schielst du, selbst Todtenschädel, ach vergebens!

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Doch fort von hier! Es will mir nicht gefallen,
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Aus sichrem Port zu schaun das Sturmmeer wallen,
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Des Lebensschiffes Wrack im Zwielicht blinken
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Und Schwimmer krampfhaft rudern, ach, und – sinken!

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Doch halt! Sieh dort, wie Vollmond aufgegangen,
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Ein Abbasbild mit vollen, ros'gen Wangen,
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Ehrwürd'gen Bauchs, daß fast mir angst, es sprenge
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Sein Athemzug des goldnen Rahmens Enge!

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Den Maler küßt' ich gern, der auf den Wangen
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Dieß sonn'ge Lächeln haschend eingefangen,
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Den Paradiesesvogel, glanzvoll stille
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Umschwebend dieses Rosengartens Fülle!

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Er hieß, wie Josua, die Sonne stehen,
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Daß sie der Enkel noch mag leuchtend sehen,
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Daß dieses Lächelns Geister einst nach Jahren
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Mit mildem Glanz in trübe Seelen fahren!

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Wie noch zu uns aus Tagen, längstvergangen
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Manch rundgewalt'ge Tempelkuppeln prangen,
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So in das magre Jetzt aus bessren Tagen
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Seh' kühn ich deinen Bauch herüberragen.

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Wie eines bombenfesten Kellers Bogen,
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Drein sich die Fröhlichkeit zurückgezogen,
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Der vom Geschütz des Witzes nur erschüttert,
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Nur von des Lachens Erdebeben zittert!

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Und über ihm und seinem Kleid, dem dunkeln,
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Seh' ich das gute, runde Antlitz funkeln
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Als Morgensonne, feist und purpurglühend,
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Licht über dunkle Alpenmassen ziehend.

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Du warst wohl gut, ich schwör's! – Aus einem Sterne
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Siehst du jetzt lächelnd her und duldest gerne,
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Daß keck auf deines Bauches Polsterpfühle
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Jetzt meine Phantasie, das Kindlein, spiele.

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So blühst du jetzt noch als gefüllte Rose
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Durch dieß Gestrüpp' ringsum, das blätterlose;
55
So gießest du als Vollmond milde Strahle
56
Versöhnend rings auf düstre Trauermale.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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