Und still verklingen des Gefangnen Lieder

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Anastasius Grün: Und still verklingen des Gefangnen Lieder Titel entspricht 1. Vers(1842)

1
Und still verklingen des Gefangnen Lieder,
2
Die Wellen wimmern, fahle Wolken reisen;
3
Da jauchzt es unfern mir und jauchzet wieder
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Und singt, mir fast zur Unzeit, lust'ge Weisen.

5
Mir naht ein Greis mit silberweißen Haaren,
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Doch Morgenroth des Frohsinns auf der Wange!
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Ei, selt'ne Nachbarschaft! Wie Rosenschaaren,
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Umblühend Gletschereis am Alpenhange!

9
Willkommen, Greis! Du mußt wohl Kunde wissen
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Von diesem düstern grauenvollen Hause,
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Wer einst geächzt in seinen Finsternissen?
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Weß Ketten klirrten durch die dunkle Klause?

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»geächzt hat Niemand als die Wetterfahne,
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Wenn sie der Wind gedreht im spröden Gleise!
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Geklirrt hat nichts hier, als von dem Altane
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Die Becher all' in lust'ger Brüder Kreise!

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Ein Leuchtthurm war dieß Haus in alten Tagen,
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Zerfallen nun, seit dort gebaut der neue;
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Anstatt des Invaliden, lahmgeschlagen,
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Trat der Rekrute in die offne Reihe.

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Ich war sein Wächtersmann, der wohlbestallte,
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Gottlob, daß Pech und Wein dem Land nicht fehlen!
23
Ha, wie, wenn Wind und Wetter pfiff und hallte,
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Geflammt die Leuchten, und gejauchzt die Kehlen!«

25
So sprach der Greis; noch leuchtet des Gelages
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Erinnerung ums Haupt dem alten Zecher,
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Wie durch der Dämm'rung Grau Nachglanz des Tages,
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Wie Reste Rebenbluts durch leere Becher.

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So sang ich in des Lichtes Heiligthumen
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Von Finsternissen und verdorrten Lenzen!
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Der Gärtner zieht zu Wonn' und Lust die Blumen
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Und, ach, verbraucht sie oft zu Todtenkränzen!

33
So war der Hain des Friedens und der Liebe
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Mir überschattet von dem Baum der Schmerzen!
35
Mich dünkt wohl gar, des dunklen Stammes Triebe,
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Sie wurzeln nur in meinem eignen Herzen.

37
Verglommen mählich ist die Abendröthe,
38
Es senkt die Nacht des schwarzen Mantels Schwere
39
Rings um die Trümmer und die Blumenbeete
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Und über weites Land und ew'ge Meere.

41
Da läßt der Himmel Mond und Stern' erglimmen,
42
Da glühn am Golf empor des Leuchtthurms Flammen:
43
Licht! Licht! ihr Losungswort, das große, stimmen
44
Jetzt Erd' und Himmel, Gott und Mensch zusammen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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