Weiße Rosse, ungeduldig, stampfen vor dem Kaiserschloß

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Anastasius Grün: Weiße Rosse, ungeduldig, stampfen vor dem Kaiserschloß Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Weiße Rosse, ungeduldig, stampfen vor dem Kaiserschloß,
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Unten harrt die Staatskarosse und der Diener goldner Troß;
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Oben in der Burg Gemächern weilt die junge Kaiserin,
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Festlich zu dem Kirchenzuge schmückend sich mit bangem Sinn.

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»mädchen, gib mir an den Busen jenes Kreuz rubinenroth,
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Daß mein Auge sich gewöhne oft zu schauen Kreuz und Noth!
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Flecht' ins Haar mir jene Perlen, daß sie meinen Blicken fern,
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Denn an meines Volkes Thränen mahnen sie mich allzugern!

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Lege mir an Brust und Nacken Diamant und Edelstein,
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Daß doch etwas an dem Busen sei, nach Fürstenart, von Stein!
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Reiche mir den Ring der Liebe, daß sein goldnes festes Band
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Vor des schweren Zepters Schwielen schütze meine zarte Hand!

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Drücke meiner Ahnen Krone gut mir in das weiche Haar!
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Ach, nicht fest auf jenem Haupte ruht ihr goldner Reif, fürwahr,
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Wo die weiche seidne Locke um den Rang mit ihr noch kriegt,
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Und vielleicht in solchem Kampfe wunderbar der Kron' obsiegt!

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Hefte fest den Purpurmantel! Wie erträgt das schwache Weib
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Seine Last, die Heldenmännern niederbog den kräft'gen Leib?
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Pagen, faßt die goldne Schleppe! Wohl bedarf ich ja der Hand,
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Die mir liebreich tragen helfe meines Purpurs schwer Gewand.

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Reicht mir einen blanken Spiegel! – Doch im Glase aufgeglüht
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Winkt ein Frühling, der voll Lilien, voll von süßen Rosen blüht!
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Ach, der Lenz, der waffenlose, mild und lächelnd ist zu sehn,
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Wo ein Fels im Morgenrothe majestätisch sollte stehn!

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Denn ihr finstres ernstes Antlitz schüttelt meine Zeit voll Schmerz!
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Ihren Unmuth zu besiegen frommte eine Hand von Erz!
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Doch ich kann die finstren Locken und des Grames Faltenspur
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Ihr mit weicher Hand gelinde streicheln aus dem Antlitz nur!«

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Und es sank ihr auf den Busen eine Thräne hell und licht,
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Aber unter den Demanten da bemerkte man sie nicht!
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Sie doch sah den feuchten Demant auf dem dürftigen Gewand
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Jenes armen Manns, der bettelnd an der Kirchenpforte stand.

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Tief bewußt der eignen Ohnmacht wallt das schwache schöne Weib,
34
Aber sieh, die Kraft der Männer beugt vor ihr den stolzen Leib!
35
O wie hoch für solche Schwäche der Begeist'rung Banner braust,
36
Doppelt scharf die Schwerter blitzen, doppelt kräftig jede Faust!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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