Sehnsuchtkrank nach dem geliebten Jungen

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Anastasius Grün: Sehnsuchtkrank nach dem geliebten Jungen Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Sehnsuchtkrank nach dem geliebten Jungen,
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Dessen Blick ihr tief ins Herz gedrungen,
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Sprach das Mägdlein beichtend zu dem Pater:
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»frommer Mönch, des Seelenheils Berather,
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Wißt, so streng das Haus mein Vormund hütet,
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Gegen jedes Männleins Einlaß wüthet,
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Wußte doch mein Liebster einzudringen,
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Im Gewand der Magd mußt' ihm's gelingen.
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Sagt ihm nun, daß er nicht wiederkehre,
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Daß ich büßend ihm den Einlaß wehre;
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Bringt dieß Ringlein, das er mir gegeben,
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Ihm zurück als Abschiedspfand fürs Leben.«
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Ei, wie schlau sprach die so scheinbar Spröde,
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Ei, wie war der Mönch so blind, so blöde,
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Denn das Ringlein sagt ihm's selbst am Ende,
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Daß es nicht geformt für Frauenhände.

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Klar doch ward der Botschaft Sinn dem Jungen,
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Dessen Herz ihr süßer Blick bezwungen;
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Dem's noch nie gelang zu ihr zu kommen,
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Jetzt wohl weiß er's: Magdgewand wird frommen!
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Händeküssend spricht er zu dem Pater:
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»frommer Mönch, ihr, unsres Heils Berather,
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Sagt der Maid, wie tief mich's schmerzt zu weichen,
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Ihr Gebot doch ehr' ich; deß als Zeichen
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Bringt zurück dieß Armband ihr von Golde,
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Das mir einst als Huldpfand bot die Holde.« –
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Ei, wie ist der Knabe schlau nicht minder,
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Doch wie blieb der Mönch ein Blöd' und Blinder,
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Denn sonst müßt' ihm's selbst dieß Armband sagen,
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Daß nicht Männer solchen Goldreif tragen!

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Abends als die Sternlein aufgegangen,
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Halten Knab' und Maid sich liebumfangen,
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Draußen blühn und glühn verschwiegne Rosen,
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Innen blüht's und glüht's von Kuß und Kosen,
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Lachend segnen sie die Liebesnoten
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Ihres Witzes und den blinden Boten;
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Doch die Täublein ahnen nicht im Neste,
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Wer der Schlauste Aller und der Beste.

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Einsam an dem Fenster seiner Zelle
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Lehnt der Mönch und blickt zur Sternenhelle,
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Saugt den Würzehauch der Blumenglocken,
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Hört des Sprossers Locken und Frohlocken,
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Und er denkt der Maid und denkt des Knaben:
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»was mir selbst versagt, mag's Andre laben!«
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Gleichwie Rosenschein bei Sternenlichte
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Spielt ihm Lächeln auf dem Angesichte,
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»bleibt nur in dem Wahn, ihr guten Kinder,
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Daß ich nichts errieth, ein Blöd' und Blinder!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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