Die Trommel will dröhnen und flattern die Fahn'

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Anastasius Grün: Die Trommel will dröhnen und flattern die Fahn' Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Die Trommel will dröhnen und flattern die Fahn',
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Der Mörser will donnern vom Wall,
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Denn Erfurt, die Veste, soll heut' empfahn
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Den greisigen Feldmarschall.

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Wie glänzen in Waffen Mann und Pferd!
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Wie sprengt ihm entgegen der Stab!
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Denn grün ist sein Lorber und scharf sein Schwert
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Und mächtig sein Marschallstab.

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Die Priester, die Bürger in festlicher Tracht,
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Sie huldigen all' ihm gern,
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Der weise im Rath, ein Tapfrer der Schlacht,
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Und gut im innersten Kern.

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Da lächelt gar fein Held Gneisenau,
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Winkt freundlich die Herrn zurück:
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»erlaßt mir Fanfaren und Truppenschau,
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Vergönnt mir ein stilleres Glück!

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Ein Glück, wie da ich hier wandeln ging
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Als Bürschlein gering und klein,
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Und nannte im weiten Weltenring
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Ein Buch und ein Herz nur mein.

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Will's halten wie einst als armer Student,
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Da die Kneipe dort mein Palast,
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Will laden zu fröhlichem Burschenkonvent
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Nur Kommilitonen zu Gast.

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Laßt Fahnenschwung und Trommeln sein,
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Und Mörsergruß vom Wall;
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Den alten Studenten läute nur ein
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Verbrüderter Becherschall!« – –

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Im Schenkhaus sitzt er, zur selben Stell,
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An demselben langen Tisch,
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Wo einst mit ihm manch flotter Gesell
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Gezecht und gesungen frisch.

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Jetzt sind's der Häupter nur drei bis vier!
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Der Tisch, wohin er auch blickt,
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So leer und lang, daß sein Ende schier
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Hinaus bis zum Kirchhof rückt.

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Und diese Genossen, wie andrer Stoff!
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Der Eine, dem Lust und Gesang
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Sonst wie dem Zeisig vom Schnäblein troff,
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Schweigt wie ein Karthäuser bang.

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Der Andre, der sonst den Humpen nicht fand,
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Der bauchig genug ihm sei,
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Er nippt nur scheu von des Glases Rand,
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Wie ein Kind die bittre Arznei.

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Und blickt er zum Dritten, dem Bruder der Braut,
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Die er im Tode verlor,
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Umflattern sein Aug', zu Nebeln ergraut,
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Brautschleier und Trauerflor.

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Da rief der Mund, dem die Heere im Streit
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Gehorcht und die Donner der Schlacht:
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»herauf, o du goldene Jugendzeit,
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Und übe die Wundermacht!«

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Und wie er sein »Feuer!« einst kommandirt,
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Jetzt klang es fast ebenso:
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»ihr alten Bursche, stoßt an und schmollirt!
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Singt ein

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Gehorsam beugen sich auf sein Geheiß
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Die Stirnen gefurcht und fahl,
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Es schließen um ihn den Bundeskreis
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Die Häupter ergraut und kahl.

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Doch als das
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Es klang wie ein Requiem heut;
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Und als sie die Becher stießen an,
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Da scholl es wie Grabgeläut.

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Das Wort, das gesiegt im Zauberschwung
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Bei Kolberg und Waterloo,
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Ach, diese
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Und ihr

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Sein Schwert ist scharf und sein Lorber ist grün,
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Sein Marschallstab herrscht weit,
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Doch weckt er nicht die Verblühte zum Blühn,
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Die Rose der Jugendzeit.

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Da senkt er das Haupt, sein Blick voll Leid
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Ruht auf dem Glaspokal;
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Er hat in dem Bild der Vergänglichkeit
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Erkannt die sinnige Wahl.

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Denn unverletzt steht vor dem Greis
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Das nämliche Römerglas,
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Aus dem er einst trank im Jugendkreis
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Und Welt und Sorge vergaß.

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Der Thron und das Schwert des Gewaltigen brach,
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Und Jugend und Kraft, ihr fiel't,
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Derweil dieß Gefäß so gebrechlich und schwach
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Viel treuer und fester hielt.

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Vom Staub des Alters bewahrt sich's rein,
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Die Quelle scheuert es blank;
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O spülte so weg der quellende Wein
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Was trüb auf die Seelen uns sank!

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In Flammen ward es geklärt und hart
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Wie Heldenherzen wohl auch;
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Ward wie der Ruhm so spröd und so zart,
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Zu trüben von einem Hauch;

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In Splitter zerbräch's ein leiser Ruck;
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Doch dauert's euch zum Neid,
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O Myrtenkranz, o Lorberschmuck,
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O Rose der Jugendzeit!

97
In Wehmut das unbestechliche
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Verhängniß der Greis ermaß,
99
In zitternder Hand das gebrechliche
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Und doch so feste Glas.

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Wie Glockenton, wie Rosenduft
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Verweht es leis' und fern;
103
Zu seinen Füßen dämmert die Gruft,
104
Zu Häupten ihm funkelt ein Stern.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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