Die Auen ein fürstlicher Jagdzug weckt

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Anastasius Grün: Die Auen ein fürstlicher Jagdzug weckt Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Die Auen ein fürstlicher Jagdzug weckt,
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Inmitten die kaiserlich' Majestät;
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Die Bäume sich neigen, doch nicht aus Respekt,
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Es beugt sie der Wind, der die Wipfel verdreht;
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Der Himmel, unartig, schickt böses Wetter,
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Schwer fallen die Tropfen, hinwirbeln die Blätter;
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Da ruft der Durchlauchtigst' auf seinem Gaul:
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»ah, schaut's, jetzt regnet's mir gar ins Maul!«

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Indeß die
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Verbreiten im Zug, laßt ein Monument
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Aus jener Zeit, sein Bild, uns beschaun;
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Ich trag's in der Tasche, Siebzehner man's nennt.
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Ein Lorberkranz in Perrückenwildniß
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Und eine Lippe, sonst nichts! – so sein Bildniß,
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Draus männiglich sieht, wie dem frommen Mann
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Gar leicht in den Mund das Wasser rann.

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Ihr Hoflakaien, nun rennt und sprengt:
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Ein Regenschirm ist's, was retten kann!
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Hofmarschall beschließt ganz still: Der Mann,
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Der des Kaisers Hut gemacht, der hängt!

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Hofmedicus denkt: Nach dem Ebenmaße
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Wohnt friedlich der Mund im Schatten der Nase,
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Durchlauchtigste Nase verschmäht das System;
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Wie stell' ich nun dieses der Nase genehm?

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Schön tröstet den Kaiser der Hofjesuit:
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»der Priester dir Weihbronn entgegenhält,
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Wenn die Majestät in die Kirche tritt;
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Ein Dom des Herrn ist Wald und Feld,
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Gott selber hat hier den Weihbrunn ergoßen
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Zu grüßen dich, den Frommen, den Großen!«
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Der Kaiser wird grimmig, wie König Saul:
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»zum Teufel! mir regnet's noch immer ins Maul!«

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Der Eine erstarrte, der Andere lief,
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Der rang die Hände, der stand wie im Bann;
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Am Eichbaum lehnt' in Gedanken tief
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Der Günstling des Herrn und sann und sann;
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Auf springt er jetzt, heiliger Sendung trunken,
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Die Stirn ihm umsprühn der Erleuchtung Funken:
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»mein allergroßmächtigster Kaiser geruh'
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Und schließe die Lippen huldreichst zu!«

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Lobsinge, du heiliges römisches Reich!
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Wie leicht du zu schirmen, zu retten bist!
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Geschoß der Karthaunen und Schwerterstreich
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Trifft nicht wie ein Wörtlein zu rechter Frist;
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Send' immer dir's Gott zur rechten Stunde,
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Und Fürsten, die horchen dem rechten Munde
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Und Räthe zu weisem Rathe nicht faul!
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Dem Kaiser regnet es nimmer ins Maul.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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