Geschmückt zum Festmal prangt der Tisch

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Anastasius Grün: Geschmückt zum Festmal prangt der Tisch Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Geschmückt zum Festmal prangt der Tisch
2
In farb'gem Blumenflore,
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In Linnen blendend wie der frisch
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Gefall'ne Schnee vorm Thore.

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Der Hauswirth sitzt, wie's ziemt dem Mann,
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In seiner Kinder Kreise,
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Der Ehrenplatz doch obenan
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Verblieb dem Tambourgreise.

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Die Schüssel dampft, der Becher klirrt,
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Gelöste Propfe knallten;
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Jetzt hebt vom Lehnstuhl sich der Wirth,
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Des Festmals Spruch zu halten:

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»mein Vater, wie's geahnt dein Herz,
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In Licht zerfloß die Wolke,
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Und es ersteht aus Schmach und Schmerz
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Ein besser Loos dem Volke.

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Doch wie die Blumensträuße hier,
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Die meine Töchter wanden,
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Nur sind ein Frühling von Papier,
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Und Winter noch in Landen;

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Wie sie nur Bilder, Boten sind
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Von jenen duft'gen, echten,
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Die wir, wenn wahrhaft Lenz beginnt,
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Zu Freudenkränzen flechten;

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So dieß Patent, dieß Blatt Papier,
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Das ich in Händen halte,
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Ist Bot' und Bild des Frühlings mir,
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Den erst die Zeit entfalte;

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Wenn selbstbewußt das Volksherz schlägt,
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Die besten Bürger rathen,
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Und gold'ner Rede Strom auch trägt
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Die Ladung gold'ner Thaten.

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Ein Fest des Geists begehn wir heut,
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Dem ich mein Glas erhebe,
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Darein die Edelblume streut
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Der Geist der Heimatrebe.

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Der Schaumwein, der in Perlen rinnt,
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Im Fremdland nicht gegohren,
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Der Oestreichs Kind, wie wir es sind,
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Sei heut' uns auserkoren!

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Nun hebt das Spitzglas hoch und voll!
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Schon perlt er rascher, freier;
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Er brause unsres Dankes Zoll
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Dem fürstlichen Verleiher!«

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Und wie er jetzt das Glas erhebt,
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Im Weine sprudelt's reicher;
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Des Kaisers Name, scheint's, belebt
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Auch diesen Oesterreicher.

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»nun laßt uns froh gedenken auch
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Der Lenker unsres Staates;
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Aufschäume, Wein, nach deinem Brauch
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Den Männern kühnen Rathes!«

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Schon matter streicht der Schaum hinan,
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Die Bläschen sind zerronnen;
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Da hub der Söhne einer an:
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»dir helf' ich, träger Bronnen!

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Ein Schlag des Unglücks half dem Land
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Aus schweren bösen Träumen;
59
Ein Schlag der Hand flach auf den Rand
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Und neu im Kelch wird's schäumen!«

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Ha, munter geht es Schlag auf Schlag!
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Wie kocht's in jedem Becher!
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Im Schmucke neuer Perlen lag
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Der Landsmann Sorgenbrecher.

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Der Greis nur blickt nachdenklich drein;
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Da frägt der Sohn den Alten:
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»verachtest du den Heimatwein,
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Daß deine Stirn' in Falten?«

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Der Trommler hebt sein sinnend Haupt:
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»will nicht den Wein verklagen
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Und auch den Boden nicht, das glaubt,
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Der ihn und uns getragen.

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Doch mahnen will mich an ein Reich
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Des Kelchs erzwungnes Schäumen,
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Das erst des Unglücks Wetterstreich
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Erweckt aus schweren Träumen!

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Und weil ihr grad in Bildern sprecht,
78
Will ich's im Bild auch sagen:
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Mich dünkt der Geist nicht echt und recht,
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Der schäumt, nur wenn geschlagen!

81
Denn schlugt ihr nicht, lag matt und schal
82
Der träge wie im Sterben;
83
Doch schlagt ihr fort, so geht einmal
84
Der Becher selbst in Scherben.«

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Der Alte trommelt auf den Tisch
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Von Ulm den Kriegsmarsch leise;
87
Im Becherklang und Stimmgemisch
88
Verhallt die ernste Weise.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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