Dort sitzt noch an derselben Statt

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Anastasius Grün: Dort sitzt noch an derselben Statt Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Dort sitzt noch an derselben Statt
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Der alte Trommler wieder;
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Der Hand entfiel das Zeitungsblatt
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Und glitt zu Boden nieder.

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»magenta! – Solferino!« stöhnt
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Im Selbstgespräch er heute,
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Und seiner Stimme Nachhall tönt
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Wie traurig Grabgeläute.

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»und drum zehn Jahre Tag und Nacht
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Getrommelt und geblasen!
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Im Drillschritt uns mit Heeresmacht
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Zertreten Saat und Rasen!

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Und wer nicht bunten Kragen trug
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Ein Knecht betreßter Massen!
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Verwaist die Werkstatt und der Pflug
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Und leer gestürzt die Kassen!

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Doch jetzt! auch nicht ein kleinster Sieg
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Die Herzen aufzufrischen!
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Ein Krieg, der schreit nach neuem Krieg,
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Das Brandmal zu verwischen!

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Der einstudirte Schwertertanz
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So grauenvoll mißrathen!
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Einst rissen aus des Korsen Kranz
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Manch Blatt doch

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Sein Finger trommelt auf den Tisch
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Den Kriegsmarsch längst verklungen;
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Den Alten macht er träumerisch,
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Doch fremd klingt er den Jungen.

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Jetzt horcht er auf: was soll das sein?
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Ein Freudenruf und Klagen!
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Da tritt sein jüngster Enkel ein
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In buntem Rock und Kragen;

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Das Haupt gesenkt, das Herz so schwer,
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Den Arm in schwarzer Binde:
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»von Solferino komm' ich her,
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Kein dunkler Wort ich finde!«

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Da spielt ums Greisenhaupt ein Licht,
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Das ebnet manche Falte,
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Und milden Blicks zum Enkel spricht
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Und sanften Tons der Alte:

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»aus dunklem Schacht steigt helles Erz,
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Aus schwarzem Grund die Rose;
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Ob echt und recht ein Kriegerherz
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Befrag' ich Unglücksloose.

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Das war das alte Schlachtroß noch,
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Doch nicht Radetzky's Zügel!
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Voll Mark und Kampflust war's, – jedoch
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Ein Andrer saß im Bügel.

49
Die Götter, die für Lorbeerglanz
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Ein Feldherrnhaupt nicht finden,
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Sie wollen Euch mit vollem Kranz
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Die tapfre Faust umwinden.

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Wie jener Römer sprang zum Schlund,
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Dem Götterzorn sich weihend,
55
So sankt Ihr auf der Wahlstatt Grund,
56
Das Volk daheim befreiend.

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Mein Oesterreich, gar manchen Sohn
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Als Sühne sahst du bluten,
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In Schmerz und Schmach doch fühlst du's schon:
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Das Elend führt zum Guten.

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Denn nur aus Unglück kommt dir Heil,
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So will's dein alt Verhängniß;
63
Dem Volk erblüht das Segenstheil
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Aus seiner Herrn Bedrängniß;

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Der ihr Panier in Staub gelegt,
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Der Sturm, schwellt unsre Fahnen;
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Des Hochgewitters Brausen fegt
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Der Freiheit rein die Bahnen.« – –

69
Als wieder Kirchweih' und im Kreis
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Die Buden stehn und Schilder,
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Zu jenem alten kauft der Greis
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Die neuen Feldherrnbilder.

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In Glas und Rahmen an der Wand
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Bewahrt er treu die Blätter:
75
»der Himmel schickt, o Vaterland,
76
Dir wundersame Retter!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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