An dem Mal des Helden schleichen

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Anastasius Grün: An dem Mal des Helden schleichen Titel entspricht 1. Vers(1842)

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An dem Mal des Helden schleichen
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Siebzig Jahre träg vorbei;
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Wecken könnt' ihn von den Leichen
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Solch ein Wonnemond von Mai,
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Dessen goldne Morgenröthen
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Städtebrand und Waffenblitz,
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Eingesungen, statt von Flöten,
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Von Trompeten und Geschütz!

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Zu Schönbrunn in laub'gen Hallen
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Geht des Korseneilands Sohn;
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Lauscht sein Ohr den Nachtigallen,
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Dröhnt es doch von Schlachtenton;
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In das Knopfloch eine Rose
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Pflückt die schicksalschwere Hand,
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Leise schwebt sein Fuß im Moose,
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Wenn er stampft, erbebt das Land.

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Zu den Zwingern fremder Thiere
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Lenkt der Kaiser jetzt den Tritt,
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Plötzlich vor dem Steinquartiere
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Eines Adlers stockt sein Schritt;
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Auf dem Block im Eisenringe
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Zittert ein uralter Aar,
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Blöden Aug's, gebrochner Schwinge,
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Der einst Fürst der Lüfte war!

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Bild des Jammers ohne Gleichen
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Solch geknickter Wolkensohn!
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Sicher, selbst als Bild und Zeichen,
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Sei die Majestät vor Hohn!
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Und der Kaiser ruft den Wärter:
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»alter, laß den Vogel frei!«
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Seine Züge wurden härter:
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»oder send' ihm ein Stück Blei!«

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»möge Gott den Sinn Euch lenken!«
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Sprach der Alte warm und weich;
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»schont dieß theure Angedenken,
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Heilig Sinnbild ist's zugleich;
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Dieses Thier im Eisenrahmen
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Hielt ein Held gar lieb und gut,
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Prinz Eugen, – Ihr kennt den Namen?«
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Frankreichs Kaiser rückt den Hut.

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»aber seit sein Herr gestorben,
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Ist ein schön'rer Wappenaar,
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Diesem Vogel gleich, verdorben
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Zum Geripp, der Schwungkraft baar,
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Dem der edle Schmuck des Flaumes
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Stück für Stück abfällt vom Leib,
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Wie das welke Blatt des Baumes,
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Rauher Winde Zeitvertreib.

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Habsburgs Fahnen sah man wandern,
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Federn gleich, am Po, am Rhein,
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In Sicilien und in Flandern,
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Flattern fort von Belgrads Stein,
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Bis in Schlesiens reichem Garten
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Jene schönste Schwinge sank;
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Traun, auch Oesterreichs Standarten
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Sind an bösen Mausern krank.

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Als mein Aar im Belvedere
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Speise nahm aus Eugens Hand,
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Ragte, wie bewußt der Ehre,
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Sonnenwärts sein Haupt gewandt;
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Schatten warf sein Fittig mächtig,
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Wie ein Königsbaldachin,
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Und das Auge flammenprächtig
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Glomm, ein rollender Rubin.

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Wie ihr krankes Kind die Mutter
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Pfleg' ich ihn, doch ohne Trost;
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Den gestärkt einst Eugens Futter,
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Lähmt jetzt meines Kaisers Kost!« –
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– »Alter, wahrlich, an dem Brocken
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Liegt es nicht, doch an der Hand!«
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Nickend sprach's der Korse trocken,
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Schritt ins Dickicht und verschwand. – –

73
Eines Tags der Aar im Gitter
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Schlägt mit Macht sein Flügelpaar;
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Grüßt am Himmel das Gewitter
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Jungen Muths der greise Aar?
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Asperns Donner sind's! sie klingen
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Bis in seinen Kerkerraum;
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Eines andern Adlers Schwingen
80
Jetzt entsank der erste Flaum.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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