Siegreich wehn des Kaisers Fahnen

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Anastasius Grün: Siegreich wehn des Kaisers Fahnen Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Siegreich wehn des Kaisers Fahnen
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Von Neapels Schloßaltanen,
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Wie von Belgrads trotz'gem Stein,
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Fächeln in Messinas Gluthen,
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Spiegeln sich in Nordseefluthen,
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Wie im Po und grünen Rhein.

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Sorglos lebt am Wienerhofe
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Kanzler, Kämmerling und Zofe,
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Auffahrt gibt's, Empfang und Fest;
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Goldkarossen, welche Kette!
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Nur die span'sche Etikette,
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Herrn und Damen, nicht vergeßt!

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Leichter haben sie vergessen
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Dem sie Alles danken, dessen
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Tapfrer Degen es gewann:
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Eugen, Oesterreichs Erwecker,
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Türken- und Franzosenschrecker,
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Ihn, den großen kleinen Mann.

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Ihre Sterne funkeln munter,
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Doch ist Zentas Stern nicht drunter
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Und nicht der bei Blenheim schien;
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Prunkhaft flimmern goldne Schlüssel,
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Doch es sind nicht die von Ryssel,
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Die von Belgrad und Turin.

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Gern entbehrt er ihre Feste,
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Hat ja selbst viel höh're Gäste:
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Göttervolk im Gartenhain;
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Und die Bilder ew'ger Meister
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Und die Bücher großer Geister
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Laden ihn zur Zwiesprach ein.

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Hallen und Paläste sprechen,
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Daß der Held im Wallzerbrechen
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Auch im Bau'n ein Zaubrer ganz,
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Blumen pflanzt er, Bäume, Reben,
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Und so ruht sein Heldenleben
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Wie ein Schwert im Blumenkranz.

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Dreien Kaisern ein Erretter
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Wußt' er zu bestehn die Wetter,
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Doch den Hofwind scheut der Held;
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Will er Majestäten ehren,
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Geht mit Cäsar er verkehren
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Und in Alexanders Zelt.

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Alt geworden ist er eben,
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Schlachten, Wunden, Lagerleben
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Spinnen kein Verjüngungskleid;
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Selbst die Friedensjahre zehren,
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Denn die Lorbeern seiner Ehren
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Sind die liebste Trift dem Neid.

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»undank ist nur schlecht Gedächtniß,
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Manchem Haus ein Erbvermächtniß,«
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Denkt der Held mit gleichem Muth;
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Füttert dann Gethier im Zwinger,
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Löwen lecken ihm die Finger,
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»löwen sind ein dankbar Blut.«

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Auf des Belveders Terrassen
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Wallt der Held und sieht gelassen,
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Wie der Springbrunn stieg und fiel;
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Marmorsphynxe ruhn im Grunde
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Und er liest von ihrem Munde
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Ungelöster Räthsel viel.

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Rechts und links die Baumspaliere
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Stehn wie seine Grenadiere
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Um den kriegsgewalt'gen Herrn;
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Von den Höhn des Belvedere
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Blickt er nach dem Häusermeere
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Wie des Landes guter Stern.

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Und es mag ihn selbst gemuthen
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Wie den Stern, aus dessen Gluthen
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Licht und Glanz die Erde trank;
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Die da unten lang im Dunkeln
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Hüllt in Licht und Glanz sein Funkeln,
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Unbekümmert um den Dank.

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Einsam stehn ist Loos der Sterne!
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Bangt nicht in so öder Ferne
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Selbst ein Sonnenherz vielleicht?
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So in stiller Nacht nicht minder
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Ihn, der ohne Weib und Kinder,
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Oft ein heimlich Weh beschleicht.

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Was der Sonne eine Wolke
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Ist die Krankheit ird'schem Volke,
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Hellstem Sein ein dunkler Flor;
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Eugens Haupt umschnürt er bleiern,
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Plötzlich doch aus Fieberschleiern
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Fährt der Held erwacht empor.

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Horch, sind's Stimmen, die ihn riefen?
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Lieder schallen aus den Tiefen,
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Schenkhaus singt und Wachtquartier;
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Becherklang, Soldatenknaster,
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Weinduft wirbelt auf, – doch faßt er
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Wort und Weise dort und hier;

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Hört durch Fiedelschall und Zither:
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»prinz Eugen, der edle Ritter –
93
Stadt und Festung Belgarad« –
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Wie auf einer Pulverwolke
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Fährt sein Geist zum Sternenvolke,
96
Zu den Seinen, schnurgerad.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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