Von der Theiß zum fernen Rheine

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Anastasius Grün: Von der Theiß zum fernen Rheine Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Von der Theiß zum fernen Rheine
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Wölbt ein Freudenmünster sich,
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Drin die ganze Christgemeine
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Jauchzt: »Herr Gott, wir loben Dich!«
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Ungarns Volk küßt den Befreiern
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Kleid und Hand auf ihrer Fahrt,
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Unberedte Lippen feiern
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Dieß Te-Deum frömmster Art.

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In den Thronsaal vor den Kaiser
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Tritt der Prinz zum Kriegsbericht;
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Ist die Majestät wohl heiser,
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Daß sie kein Willkommen spricht?
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Eugens Worte ziehn geschlossen
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Wie Kolonnen in die Schlacht,
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Festgegliedert, stahlgegossen,
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Siegsbewußt in ihrer Macht.

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Doch wie Schaum an dürrer Klippe
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Schier der Rede Fluth versank,
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Denn die größte Kaiserlippe
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Fand kein kleinstes Wort von Dank.
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Nun die höchste der Perrücken
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Steif dir nickt den Abschiedsgruß,
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Siegesheld, magst du dich bücken,
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Denn die Zwiesprach ist am Schluß.

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Unten an der Treppenpforte
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Der Trabanten Hauptmann stand,
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Der beredtern Fluß der Worte
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In des Kaisers Namen fand:
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»euren Degen, stolzer Sieger!
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Euer Haus dien' Euch zur Haft;
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Denn Gehorsam schmückt den Krieger
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Höher noch, als Glück und Kraft.«

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Eugen reicht den Degen artig:
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»nehmt ihn, der nicht rosten darf!
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Ward im Dienst des Kaisers schartig;
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Nehmt und schleift ihn wieder scharf!« –
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Groß mag dieser Degen scheinen,
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Als er Heer und Schlacht gelenkt,
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Größer war's, als vor so Kleinen
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Er in Treue sich gesenkt.

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Als das Volk mit Scham und Staunen
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Sah den Feldherrn schwertberaubt,
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Rief der Zorn wie mit Posaunen
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All zum Schutz so theurem Haupt;
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Doch auch dieses Heer der Liebe
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Schlägt die degenlose Hand,
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Auch sein Blick führt Heldenhiebe,
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Auch sein Wort streckt in den Sand.

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Zu den ew'gen Sternengleisen
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Blickt der Held aus seiner Haft;
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Künft'ge Siegessterne kreisen
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Um das Haupt ihm geisterhaft.
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Oesterreich, dieß Gotteserbe,
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Füllt die Seele ihm mit Glanz;
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Daß kein Feind den Thron verderbe,
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Der ihn beugt, sei einst sein Kranz!

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Ob den wucht'gen Heldendegen
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Leopoldus prüfend wog?
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Ob den Andern, die ihn wägen,
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Das Gewicht die Arme bog?
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Ob dem Fürsten auf sein Kissen
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Sanftern Traum gestreut die Nacht?
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Schlief ein kaiserlich Gewissen,
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Ist's doch herrlich, wenn's erwacht!

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Morgens früh an Eugens Pforte
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Schon der Gardehauptmann stand,
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Der den Strom der Gnadenworte
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In des Kaisers Namen fand:
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»nehmt dieß Schwert glorreich wie keines,
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Durch Gehorsam schartenrein;
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Doch daß Haupt und Arm nur Eines,
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Seid Hofkriegsrath Ihr allein!«

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Großen Herzen steigt der Tröster
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Leuchtend aus dem eignen Gram;
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Seiner großen Siege größter
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War's, als er dieß Schwert jetzt
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Das er weiht' in Morgenröthen,
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Dran er Glück und Ehre band. –
79
Misse nie, mein Land, in Nöthen
80
Solchen Degen, solche Hand!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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