Es keimt ein Saatkorn künft'ger Thaten

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Anastasius Grün: Es keimt ein Saatkorn künft'ger Thaten Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Es keimt ein Saatkorn künft'ger Thaten
2
In jedem Wunsch; – drum wünsche nur!
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Doch streu' auf deine Lebensflur
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Nur gutes Korn und reine Saaten.

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So will auch ich die Glocke wiegen,
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Daß weit ihr Aufschrei widerhallt,
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Und daß, so lang ihr Ton mir schallt,
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Zum Himmel meine Wünsche fliegen:

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»aus der Betäubung dumpfer Träume,
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Mein Heimatland, mein Volk, wach' auf!
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Sieh deiner Nachbarn Siegeslauf!
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O Schmach, wer da im Wettkampf säume!

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Den wüsten Schlaf reib' aus den Augen,
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Die noch umflort, obschon es Tag;
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Blick' in den Glanz! – Lichtscheue mag
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Dem Olm in deinen Grotten taugen.

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Bist scharfen Blicks, geweckten Geistes,
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Bist klug, wie schon dein Dichter sang;
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Der Schlaftrunk doch wirkt stark und lang,
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Den man im Kelch kredenzt, du weißt es!

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Von Berg zu Berg das Feuerzeichen
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Rief einst zur Wacht in Türkennoth,
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Der Sklaverei, die dir gedroht,
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Zu wehren mit des Schwertes Streichen.

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Doch Greise jetzt und Neugebor'ne
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Umschnürt ein andres Sklavenband:
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Kaftan und Kutte sind verwandt,
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Sowie Beschnitt'ne und Geschor'ne.

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Von Haupt zu Haupt des Lichtes Zeichen,
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Das auch die neuen Türken bannt,
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Laß flammen jetzt durchs weite Land
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Und diese Flammen nie erbleichen!

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Das Licht, entquollen einst in Strahlen
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Dem Lämpchen jenes Bergmannssohns,
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Es flog vom Schacht zu Höhn des Throns
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Und leuchtet' einst auch diesen Thalen.

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Gesalbte Schergen doch zertraten
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Mit plumpem Fuß den Funkenrest;
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Die Finsterniß begann ihr Fest
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Und Geistesnacht reift ihre Saaten.

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Sie heimsen ein; welch lustig Treiben!
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Hei, wie der Peterspfennig springt!
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Doch wo des Tetzels Büchse klingt
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Wird auch nicht fern der Luther bleiben. –

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Vom öden Karst, von eis'gen Tauern
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Umschlossen ist dein Wunderland;
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Die Berge sind nicht Kerkerwand,
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In Einsamkeit dich einzumauern.

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Doch Zinnen sind's und die erklimme!
50
Halt Umschau! Sieh, wie dir die Welt
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Den Eisenarm entgegenhält,
52
Dir zuruft mit des Blitzes Stimme.

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Tritt in des Weltmarkts offne Hallen,
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Du siehst, was Menschenkunst ersann,
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Was dir das Sein verschönern kann,
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Hörst aller Völker Sprachen schallen.

57
Aus allen tönt wie Eines Mundes
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Die Losung, die auch dich erfaßt;
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Du bist nicht mehr ein fremder Gast,
60
Ein treuer doch des Völkerbundes.

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Wach' auf, wach' auf! Vom Leibe raffe
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Die Lappen finstrer Dienstbarkeit!
63
Für hohe Ziele kämpft die Zeit,
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Umgürt' auch dich mit ihrer Waffe!

65
Sei wie dein Strom, der in die Klüfte
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Des Höhlendunkels jäh verschwand,
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Den Weg zum Licht doch wieder fand,
68
Und funkelnd grüßt die sonn'gen Lüfte.« – –

69
Das war mein Wünschen, während dessen
70
Der Glocke Klang die Luft durchschnitt,
71
Bis müd' mein Arm vom Seile glitt; –
72
Mein eigen Selbst hatt' ich vergessen.

73
Doch ohne Klage will ich tragen
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Das Leid, das meine Brust verschließt,
75
Wenn Glück und Ruhm dieß Land umfließt
76
Und drüber hell're Sterne tagen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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