Sie hat den Festschmuck angethan, die Kränze grüner Reiser

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Anastasius Grün: Sie hat den Festschmuck angethan, die Kränze grüner Reiser Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Sie hat den Festschmuck angethan, die Kränze grüner Reiser,
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Verjüngt vom Lenzhauch neuer Zeit, die alte Stadt der Kaiser;
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Von ihrer Mauerkrone wehn die Blumen und die Bänder,
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Den Leib umfließt in Faltenpracht das reichste der Gewänder.

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Sie schwingt das alte Banner hoch in makelloser Reinheit,
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Das alte Schwarz-roth-gold ist's noch, der Hort der Volkeseinheit,
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Das rauscht ein froh Willkommen zu den Gästen, die da kommen,
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Vieltausendstimmig ruft es nach in Sang und Klang: Willkommen!

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Willkommen, Schützenbrüder all aus Süden und aus Norden,
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Die Ihr am Rhein, am Neckar wohnt, die an des Ostmeers Borden,
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Die Ihr das Tiefland habt durchwallt, die Alpen überklommen,
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Ihr Söhne deutscher Gauen all, willkommen, gottwillkommen!

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Ob unter Euch viel Meilen weit der Schienenstrang geklungen,
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Und über mancher Grenze Pfahl sich Euer Zug geschwungen,
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Ihr seid doch in der Heimat noch, im Vaterhaus geblieben,
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Wo Einer Mutter Kinder Eins im Hoffen, Dulden, Lieben.

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Denn Heimatgrund ist's, drauf Ihr wallt, die Heimateichen hallen
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Im Schützenhain vom Nachklang bald, wenn Eure Büchsen knallen;
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Deutsch ist der Strom, er brauste schon im Lied der Nibelungen
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Und hat des Rothbarts Kreuzheer schon in frommen Traum gesungen.

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Zieht durch den Markt, Ihr fühlt Euch noch in Eures Volkes Mitte,
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Betretet nur ein Haus, Euch grüßt der eignen Heimat Sitte;
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Das Wort, dem unsre Jugend lauscht, ist Eurer Weisen Lehre,
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Das Lied, das unser Herz berauscht, ist deutschen Stammes Ehre.

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Es grüßt manch Standbild deutschen Sinns Euch rings in Stein und Erzen,
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Hier winkt Eugen, das wälsche Blut und deutscheste der Herzen,
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Die beiden Karle, dort und hier, die deutsche Schlachten schlugen,
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Und Fürsten dieses Lands, die einst die Krone Deutschlands trugen.

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Hier Joseph, den kein Herz vergißt, ein Märtyrer und Weiser,
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Dort, den ein dunkler Flor umschließt, der Deutschen letzter Kaiser,
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Und schon zum Ehrenmale wird das Fundament geschichtet
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Dem Sänger, der das Hohelied vom Schützen Tell gedichtet.

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Aus theuren Gräbern rauscht empor ein Gruß von deutschen Klängen,
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Beethovens, Mozarts, Schuberts Geist ersteht in Zaubersängen,
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Zieht durch den Festsaal, durch den Wald, vom Wohllautflug getragen,
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Wie durch den Dom, den deutsche Kunst zur Sternenhöh' ließ ragen.

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Wenn Heimatklänge traut ans Ohr in Gruß und Sang Euch gleiten,
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Ihr fühlt's, wie deutsch dieß Land und Volk, kerndeutsch seit Urweltzeiten,
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Deutsch ist sein Blut, deutsch ist sein Herz, und deutsch sein Sinn und Treiben,
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Deutsch sind wir noch und wollen deutsch trotz dem und dem auch bleiben!

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Frisch braust der Geist, frisch stürzt das Wort, gleich unsern Alpenbächen,
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Fromm sind, ja, waren wir noch mehr, Ihr hörtet davon sprechen;
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Daß fröhlich wir, wer wüßt' es nicht, manch' Büchlein ließ sich schreiben,
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Frei wurden wir und wollen frei trotz dem und dem auch bleiben!

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O daß der Freiheit Geist in Eins, was Eins sein will, auch kitte!
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Treu hüten wir das Vätergold, die deutsche Art und Sitte;
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Das Band, das solch ein Geist uns wand, kein Eisen kann's zerhauen,
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Den Pfad, den sich die Liebe bahnt, kein Markstein ihn verbauen.

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Zwar fällt ein bittrer Tropfen heut ins Glas, – doch er auch fromme!
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Wer dächte nicht: was ist und war, wer sänne nicht: was komme?
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Wir tragen's, wie's dem Manne ziemt, erwarten's ohne Klage,
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Wir lernten schönen Schützentrost dafür vom Schützentage:

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Ein festes Ziel, das unverwandt vor unsern Augen rage,
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Gesundes Herz, das voll und stark, nicht ungeduldig, schlage,
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Ein scharfer Blick, der kühn und klar in weite Fernen rücke,
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Und ruh'ge Hand, die nicht verirrt vom ernsten Tagwerk zücke!

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Drauf stoßet an, drauf schlaget ein! es gilt erneutem Bunde;
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Der Becherschall wird Glockenhall in solcher Weihestunde,
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Wo treue deutsche Männer stehn auf treuer deutscher Erde
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Des Einen Hochgedankens voll, dem die Erfüllung werde!

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»wir waren Eins, wir bleiben Eins!« Aus Euren Feuerröhren
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Dieß Wort mein' ich im Donnerspruch als Festchoral zu hören;
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O laßt sein weckend Echo nach von Herz zu Herzen zittern,
64
Wie im Gebirg von Berg zu Berg ein läuterndes Gewittern.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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