Es war im krausen Jahr vierzig und acht

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Anastasius Grün: Es war im krausen Jahr vierzig und acht Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Es war im krausen Jahr vierzig und acht
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Das jenes Riesenfeuer angefacht,
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Draus sich der Phönix Deutschland schwingen sollte;
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Doch wie die Lohe stieg, die Windsbraut grollte,
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Die Läuterung, sie wollte noch nicht kommen,
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Drob manches Herz, auch meines, tief beklommen.
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Ein Riesensturm, – der Straßenstaub nur hasche?
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Ein Weltenbrand, – und all sein Rest nur Asche? –

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So vor mich sinnend war ich eingetreten
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Im Dom der Helden, Weisen und Poeten.
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Der Marmorboden glänzte blank und helle,
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Ein glattes Spiegelmeer, das zu befahren
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Ein stattlich Schiffsgeschwader an der Schwelle
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Vor Anker lag für die profanen Scharen;
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Pantoffel, Filzschuh, Wollgalloschen schienen
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Fregatt' und Slup hier, Brigg und Brigantinen;
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Der deutschen Flotte mocht' ich hoffend denken,
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– Jetzt müßt' in Wehmut ich das Auge senken. –
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Mein Boot bestieg auch ich, wie's anbefohlen,
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Behutsam steuert ich dahin und grüßte
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Bekannte Häupter rings auf den Konsolen;
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Vertraut schien mir zu nicken manche Büste,
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Befeuernd, tröstend floß aus Marmormunde
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Noch manch unsterblich Wort, manch heil'ge Kunde.

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Da plötzlich hielt das Auge mir gefangen
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Ein Bildniß, nicht erhofft in dieser Runde,
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Ein Antlitz, drauf der Mönch und Krieger rangen,
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Prophetenstirne bei des Schalkes Wangen.
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Ich rief in Lust: »Willkommen, Gottwillkommen!
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Ei, Doktor Martin, Fröhlichster der Frommen,
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Als ich hierher vor Jahren kam im Wandern
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Da irrtet Ihr noch vor dem Thor mit Andern,
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Doch wann? und wie? und welche der Walküren
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Hat es gewagt, Euch in dieß Haus zu führen?«

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Da strich's um die olymp'sche Lutherstirne
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Wie heitres Lächeln und wie milde Trauer,
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Gleichwie im Wechselspiel am Alpenfirne
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Bald Sonnenblicke ziehn, bald Regenschauer;
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Und also ließ vernehmen sich die Stimme:
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»es war zur Zeit, als schon in schwächerm Grimme
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Der Winter rang mit ersten Frühlingslüften,
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Da hört' ich donnernd über unsern Grüften
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Durch Deutschland hin ein Hochgewitter rollen,
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Gesang und Schwertgeklirr, Gejauchz' und Grollen:
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Des Rothbarts Stunde, dacht' ich, sei gekommen;
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Von Heimatdrang fühlt' ich mein Herz entglommen.
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Da schritt ich zu Walhalla's Heiligthume,
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Am Bild von deutscher Größe, deutschem Ruhme
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Die bange Seele wieder aufzurichten.
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Mein stolzes Hoffen ließ sich schwer vernichten,
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Denn ich ersah im Heimatland der Eichen
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Schon hier und dort erblühn manch tröstlich Zeichen;
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Auch wo ich schritt, im schönen Bayerlande,
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Gesprengt der Dunkelmänner heil'ge Bande,
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Die herrschend hier nur
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Bis sie ein Montezhauch vom Sessel wehte.
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Ein tanzend Weiblein hat mit seinen Sohlen
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Vom Königsdach gefegt die Kirchthurmsdohlen; –
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Nicht immer war ein blanker Seraphdegen
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Die Bahn des Herrn zu säubern auserlesen,
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Bisweilen muß, Unsaubres wegzufegen,
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Ihm dienen auch ein minder edler Besen. – –
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So stand ich jede Nacht vor der Walhalle
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Erwartend, daß der Held hernieder walle.
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Umsonst, umsonst! – Sieh, dort von dem Gestelle
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Hohnlächelt noch der bärt'ge Altgeselle, –
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Er kam nicht! – Doch indes ich stand zu lauschen,
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Urplötzlich mir zur Seite ging ein Rauschen,
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Ein flatternd Knistern weicher Seidenbänder,
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Die süße Zugluft bausch'ger Frau'ngewänder,
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In Rhythmus regten sich beschwingte Socken,
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An meine Wange streiften üpp'ge Locken,
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Mir war's, als ob mich Moschusduft umwehe
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Von Odalisken- oder Schlangennähe,
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Ich war berauscht und doch zu Tod erschrocken!
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Zwei Feueraugen, schwarz und glüh wie Kohlen,
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Fühlt' ich ins Aug' mir brennen und zugleich
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Die Hand erfaßt von einer Hand so weich,
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So rund, daß ich sie drücken mußt' verstohlen!
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In Andalusiens Lauten hört' ich's girren
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So süß und traut, selbst Marmelstein zu kirren;
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Das zog so lind, doch kräftig wie Magnet,
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Ein Säulenheil'ger, wer da widersteht!
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Mir war so wohl und doch nicht recht geheuer,
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Mich lockt' und schreckt' das holde Abenteuer,
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Noch zagt' ich, denken mußt' ich an Frau Käthe;
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Doch einer Reitergerte drohend Pfeifen,
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Ein Ruck, der fast mein Armgelenk verdrehte,
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Ließ mich die fremden Klänge schnell begreifen:
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Der Tanzwalküre folgend summt' ich heiter
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Mein Lied: ›Wer nicht liebt Wein, Weib‹ und so weiter.
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An ihrer Hand schritt ich die finstern Stege,
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Auf ihrem Fittig bin ich mitgeflogen,
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Bei Nacht und Nebel bin ich eingezogen
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Gedenkend: Dunkel sind des Herren Wege!
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Hie steh ich! Aber kommen einst die Andern,
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Dann spart mit Kränzen nicht und Fahnenschwingen;
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Bei Mörserdonner und bei Glockenklingen
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Laßt sie herein im Licht des Tages wandern!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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