1.

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Anastasius Grün: 1. (1842)

1
Durch das Schneefeld schießt mein Schlitten
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Im Geschmeid des Tigerfells,
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Raschen Flugs vorüber glitten
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Burg und Weiler, Busch und Fels.

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Lenz in Blumen, Herbst in Reben,
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Sommer du im Garbenkranz,
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Was ist eure Schönheit neben
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Einem Wintertag in Glanz!

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Wie versinkt die bunte Kleinheit
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Vor so schlicht erhabner Pracht!
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Er vermählt das Weiß der Reinheit
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Mit dem Hermelin der Macht.

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Seine Lagerzelte glänzen,
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Die Gebirge, weit im Kreis;
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Bis an seines Reiches Grenzen
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Schimmert nur dieß stolze Weiß.

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Wald und Strauch in Silberflocken,
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Welch ein Hofstaat reich und steif!
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Weiße Schleier auf den Locken
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Und im Haar des Puders Reif;

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Zarte Flöre, krause Spitzen
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Schmücken zierlich das Gewand,
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Spangen flimmern, Nadeln blitzen,
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Funkelnd sprüht der Diamant.

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Wintersonn' in eis'ger Klarheit
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Streut aufs All ihr kaltes Licht,
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Rein wie eine goldne Wahrheit,
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Glänzend zwar, doch wärmend nicht.

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Sorglich hält die Feuerbolzen
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Noch im Köcher sie bewacht,
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Daß nicht allzuschnell geschmolzen
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Winters Herrlichkeit und Macht.

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Sein Gesetz ist Ruhn und Schweigen,
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Das er eisern strenge hält,
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Und kein Vogel pfeift in Zweigen
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Und kein Pflüger singt im Feld.

37
In das Mühlrad, das noch rollte,
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Greift er mit kristallner Hand,
39
Und den Bach, der murmeln wollte,
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Hält im Fall er festgebannt.

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Durch die feierliche Runde
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Geht ein Hauch von Majestät,
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Der das Lied verbannt vom Munde
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Und ihn weiht zum Festgebet.

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Nur der Grund im Schlittengleise
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Tönt von lieblich leisem Klang,
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Gleich als tönte unterm Eise
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Der verbannten Blumen Sang.

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Auch mein Rößlein läßt nicht schweigen
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Die Musik im Schellenkranz,
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Stolzer trägt's sein Haupt zum Reigen,
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Zierlich wirft's den Fuß im Tanz.

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Und berauscht vom eignen Klingen
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Saust's in Trunkenheit dahin,
55
Wie am Kastagnettenschwingen
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Sich entflammt die Tänzerin.

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Hier und dort wird von den Tönen
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Ein entschlummert Echo wach;
59
Schläfrig, mit gutmüth'gem Höhnen
60
Murmelt's das Geläute nach. –

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Jage, muntres Rößlein, jage!
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Holst doch nicht mein Sinnen ein,
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Das enteilt in ferne Tage,
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Das entflohn in Südens Hain;

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Wo die Lüfte lauer wallen,
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Wo die Sonne goldner glänzt,
67
Wo die götterreichen Hallen
68
Frühling schon mit Blumen kränzt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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