Am Pestkordon der Grenzsoldat

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Anastasius Grün: Am Pestkordon der Grenzsoldat Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Am Pestkordon der Grenzsoldat
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Mit der Muskete steht,
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Jenseits des Stroms auf blum'gem Pfad
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Das Türkenmädchen geht.

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Dazwischen hin die Donau zieht,
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Dem Strom des Todes gleich,
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Der Sel'ge und Lebend'ge schied
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Und Erd- und Geisterreich.

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Was drüben blüht, was drüben strebt,
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Ist für die Andern hie,
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Als wär's verwelkt längst und verlebt
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Oder geboren nie.

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Die Blumen, die dort drüben stehn,
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Sie sind so fern für ihn,
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Als hab' er sie im Traum gesehn
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Im Himmelsgarten blühn.

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Die goldnen Früchte, die gedrängt
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Der Fruchthain drüben beut,
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Für ihn sind sie wie aufgehängt
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Im Hain der Ewigkeit.

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Die Türkenmaid, die dort entlang
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Des schönen Stroms lustwallt,
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Für ihn wallt sie der Todten Gang
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In eines Geists Gestalt.

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Das Leuchten ihrer Augen quillt
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Durch weiße Schleier vor,
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Ihm sind's nur Sterne, schimmernd mild
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Aus weißem Wolkenflor.

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Da faßt der Sehnsucht tiefe Macht
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Des jungen Kriegers Herz,
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Wie's zieht in stiller Vollmondnacht
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Den Wandrer sternenwärts.

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Fast meint er einen Blick zu thun
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In fernes Geisterland,
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Wenn nicht ganz andre Bilder nun
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Gar irdisch ihn gemahnt!

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Auf raschem Pferd der Spahi Zahl,
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Die dort vorüberbraust,
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Daß Staubgewölk und Säbelstrahl
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Und Hufblitz sie umsaust!

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Der Aga, der im Moosdivan
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Am Strand die Pfeife raucht,
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Die als Musketenrohr hinan
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Des Friedens Salven schmaucht!

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Da stampft die Flinte der Soldat
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Zum Grunde unmuthvoll,
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Daß aus dem Boden am Gestad'
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Ein banges Dröhnen scholl!

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»o daß ich steh' bei rüst'gem Leib
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Hier todt als Grenzepfahl!
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Wie ein alt Krankenwärterweib
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Vor einem Pestspital!

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Die Brücken schlagt', ihr Pontonier,
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Für Wagen und für Roß!
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Mit Schiffen her, Tschaikisten ihr,
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Für Mannschaft und für Troß!

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Die Schlachten unsrer Väter sind
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Noch auszukämpfen dort;
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Ein gutes Christenschwert gewinnt
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Noch Arbeit fort und fort!

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Herr Hauptmann, dort von der Moschee
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Höhnt uns der halbe Mond;
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Auf, pflanzt das heil'ge Kreuz zur Höh',
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Das drüben würd'ger thront!

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Herr Pfaff, manch schönes Haupt umflort
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In Irrwahns Schleiern seht,
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Das sich zum Born der Taufe dort
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Zu beugen brünstig fleht!«

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An Wundern schwanger geht die Zeit!
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Wer hätt' es wohl gedacht,
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Daß solch ungläub'ge Türkenmaid
72
So guten Christen macht?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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