Welch ein Blühen, Duften, Quellen

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Anastasius Grün: Welch ein Blühen, Duften, Quellen Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Welch ein Blühen, Duften, Quellen
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In des Königs Artus Garten!
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Früchte aller Zonen schwellen
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Zwischen Blüthen aller Arten.

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Nur am Teiche eine Weide
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Steht gebeugt in stummer Klage,
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Wie versenkt in tiefem Leide,
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Daß sie nicht auch Früchte trage.

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Die gelösten Haare fallen
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Nieder ihr, ein grün Verstecke,
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Dran die Kön'gin fand Gefallen
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Und auch Lanzelot, der Kecke.

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Auf dem Baum sitzt jetzt der König,
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Im Gezweig sich wohl versteckend,
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Sein gesalbtes Haupt ein wenig
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Allzuweit hervor nur streckend.

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Traun, das hat er fein ersonnen!
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Hier will er das Paar belauschen,
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Denn, so hört' er, hier am Bronnen
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Pflegt es Kuß um Kuß zu tauschen.

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Sieh, die Kön'gin naht der Stelle;
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Doch sie sieht die Weide prangen
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In dem Widerschein der Welle,
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Und die seltne Frucht dran hangen.

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Ha, zu ihr zu lagern wagte
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Sich schon Lanzelot im Moose;
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Aber schlau zum Ritter sagte
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Laut Ginevra jetzt, die Lose:

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»seht die Weid' im Teiche strahlen,
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Lenkt das Aug' drauf, doch genaue;
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Ob euch's nennt der Blätter Zahlen?
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Ob es Früchte dran erschaue?

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Eher trägt wohl Frucht die Weide,
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Eh' zählt ihr der Blätter Masse,
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Als ich breche Lieb' und Eide,
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Meinen Herrn und Gatten lasse.

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Wie die Weid' auf Wellentänzen,
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Ruht sein Bild in meinem Herzen,
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Und ich will's mit Liebe kränzen,
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Wie ihr's schirmt mit Stahl und Erzen!«

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Drauf der Ritter: »Ha, wie zeigen
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Wellenspiegel doch genaue,
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Daß sogar ich in den Zweigen
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Hoch ein nistend Vöglein schaue.

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Eh' wird Mensch dieß Vöglein werden
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Und in Menschenworten sprechen,
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Als dem König je auf Erden
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Pflicht und Treu' ich könnte brechen.

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So ist unserm Bund die Weihe
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Für des Königs Heil beschieden:
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Schützt im Kampf ihn meine Treue,
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Schmückt ihn eure Lieb' im Frieden.«

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Artus nickt als wangenrother
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Apfel froh aus Zweigeshallen,
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Und fast vor Entzücken droht er
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Ueberreif vom Baum zu fallen.

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Spät im Zwielicht, müden Leibes,
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Stiehlt er heimlich sich nach Hause;
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Die Verleumder seines Weibes
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Sperrt er tief in Thurmesklause.

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Und du darfst nun nimmer klagen,
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Schöne Weide, da du heute
63
Frucht von seltner Art getragen,
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Dran sich manches Herz erfreute.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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