Das Dörflein Rosenhaida

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Anastasius Grün: Das Dörflein Rosenhaida Titel entspricht 1. Vers(1842)

1
Das Dörflein Rosenhaida
2
Lag mitten im Wiesengrün,
3
Viel duftige, glühende Rosen
4
Sah man auf der Wiese blühn.

5
Da kam einst aus dem Dorfe
6
Ein dicker Bauersmann;
7
Er wetzte seine Sense
8
Und hub zu mähen an.

9
Er mähte Gras und Rosen, –
10
O laß die Rosen verschont!
11
Bedenke, daß dahinter
12
Gar oft die Schlange wohnt!

13
Er mähte Gras und Rosen,
14
Da zischte die Schlang' auf ihn,
15
Ihr Gift traf ihn zu Tode,
16
Zur Erde taumelt er hin.

17
Der Pfarrer von Rosenhaida,
18
Mit Stol' und Chorgewand,
19
In heiligem Seeleneifer
20
Kam schnell herbeigerannt.

21
Ach, wie die Stirn ihm triefet!
22
Ach, wie sein Athem keucht!
23
Er rennt durch Dorn und Stoppeln,
24
Sinkt um, stöhnt und erbleicht.

25
Die Bauern von Rosenhaida,
26
Die liefen eilig herbei
27
Und taumelten vor Schrecken
28
Zu Boden nach der Reih'.

29
Die Wittwen zu Rosenhaida,
30
Die weinten Tag und Nacht,
31
Bis sie der Todesengel
32
Zu ihren Männern gebracht.

33
Die Waisen zu Rosenhaida,
34
Die rangen die Händlein drob,
35
Bis sie der Vater der Waisen
36
Zu sich empor auch hob.

37
Der Küster von Rosenhaida
38
Sang nun ihr Seelenamt,
39
Bis ihm vom vielen Singen
40
Zuletzt die Lung' erlahmt.

41
Als er's dem Letzten gesungen,
42
Ging ihm der Athem aus;
43
Wer wird ihm seines singen,
44
Wer bringt den Alten nach Haus?

45
Es blieb der Todtengräber,
46
Doch der kam nun ums Brod;
47
Verloren alle Kunden!
48
Da starb er den Hungertod.

49
Oed' ist's in Rosenhaida,
50
Wüst stehn die Häuserreihn,
51
Die Mauern brechen zusammen,
52
Die Dächer stürzen ein.

53
Gemähte Rosen haben
54
Solch Unheil einst gebracht; –
55
Ihr, die ihr mäht auf Wiesen,
56
Gebt auf die Rosen Acht!

57
Nun trauert Rosenhaida
58
In Schutt und Trümmern dort,
59
Doch auf der Wiese draußen
60
Blühn lustig die Rosen fort.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.