Es schlief ein Greis auf Hellas' Feld, wo man die Schlacht geschlagen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Anastasius Grün: Es schlief ein Greis auf Hellas' Feld, wo man die Schlacht geschlagen Titel entspricht 1. Vers(1842)

1
Es schlief ein Greis auf Hellas' Feld, wo man die Schlacht geschlagen,
2
Er schlief wohl an zehn Stunden schon, seit ausgetobt der Schlachtlärm,
3
Und wer den grauen Schläfer sah, seufzt: Friede mit den Todten!
4
Doch jetzt erhebt der Greis sein Haupt, reibt sich den Schlaf vom Auge.

5
Es liegt ein stiller See vor ihm mit purpurrothen Wellen.
6
»du ebner See,« so lispelt er, »wie friedlich fließt dein Wasser,
7
Wie glühen deine Wellen all' so schön im Morgenrothe!
8
So hehr erglänzt das Frühroth nur im goldnen Land der Freiheit!«

9
Viel hundert Männer lagern rings am Strand des Sees und schlafen.
10
»du sel'ge Schaar, wie schläfst du süß im freien Himmelssaale!
11
Nicht scheinest du des Wüthrichs Ruf, nicht Räuberschwert zu fürchten;
12
So sicher, traun, und friedlich schläft sich's nur im Land der Freiheit!«

13
Und neben ihm, im grünen Gras, da ruhn zwei holde Kinder,
14
Zwar regungslos, doch halten sie sich treu und fest umschlungen.
15
»o schönes, zartes Blumenpaar, umkos't vom Hauch der Liebe!
16
Solch süße, heil'ge Liebe lebt nur in dem Land der Freiheit.«

17
Es neigt gar mild sich über ihn ein lieblich Frauenantlitz;
18
Sein müdes Silberhaupt ruht sanft im Schooß des schönen Weibes
19
»auf solchen Kissen schläft man nur im schönen Land des Friedens
20
Und solche Engel wachen nur im goldnen Land der Freiheit!«

21
Er lispelt's leis und senkt das Haupt und schließet still das Auge,
22
Und nimmer öffnet es der Greis, erhebt nie mehr das Antlitz.
23
O armer und doch sel'ger Greis, o schlafe fort und träume!
24
Erwache nie, daß Keiner dir, was du gesehn, je deute!

25
Nicht glüht der See vom Frühroth, nein, vom Blute deines Volkes!
26
Die Schläfer – deine Brüder sind's – erwachen nimmer wieder!
27
Die Kinder – deine Enkel sind's – die starben Hungertodes!
28
Das Frau'nbild – deine Tochter ist's – weint über deiner Leiche!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.