Der Koboldbauer das ist mir ein Mann!

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Anastasius Grün: Der Koboldbauer das ist mir ein Mann! Titel entspricht 1. Vers(1842)

1
Der Koboldbauer das ist mir ein Mann!
2
Sein Boden voll Korn, sein Keller voll Wein,
3
Sein Holz schön aufgeklaftert im Tann,
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Die Rößlein gestriegelt, das Haus so rein,
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Die Wintersaat schon längst bestellt,
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Die Andern schneiden die Frucht noch im Feld;
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Und hat nur Einen Knecht allein!
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Das muß ein sondres Hausglück sein!

9
Der Knecht speist Mittags mit der Katz',
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Ein Schüsslein Milch, genug für den Zwerg!
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Er liegt ohne Federbett und Matratz'
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Im Scheuerneck wie ein Klumpen Werg;
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Ein Handschuhdaum ist sein spitzer Hut,
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Des Bauers Socken sein Mantel gut;
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O möcht' er nur kein Kobold sein!
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Doch ruft ihn sein Herr: du Hausglück mein.

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Der Bauer einst verreisen wollt',
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Hui, Mantel und Hut bringt der Kleine frisch!
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»zum Imbiß ein Hühnchen, dem wär' ich hold,«
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Da stand es gebraten auch schon am Tisch!

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»geh, hol' auf der Weide den Schecken mir,«
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Da stampft vorm Thor gesattelt das Thier!
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»so lebe wohl denn und hüte fein
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Mir Weib und Hof, du Hausglück mein!«

25
Der Bauersmann war vom Hause kaum,
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Schon steigt das verliebte Pfäfflein ringsum;
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Der Knecht streut Erbsen im Stiegenraum
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Und dreht am Zimmer den Schlüssel um.
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Das Pfäfflein glitscht aus und fällt aufs Gesicht,
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Das Weiblein Schloß und Riegel fast bricht;
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Sie drinnen, er draußen, ein Schelten und Schrein:
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O möcht' im Pfefferland Hausglück sein!

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Der Kleine kichert, doch nicht für lang!
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Denn Pfaffenlust und Weiberlist
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Macht selbst dem schlau'sten Wächter bang,
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Wenn er auch der rührigste Kobold ist. –
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Der Hausherr kam, fand Alles aufs Best',
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Der Kleine ganz matt sich vernehmen läßt:
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»ein Weiblein zu hüten, welche Pein!
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Da möchte der Teufel dein Hausglück sein!«

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Zum Bauer schlau der Pfarrherr spricht:
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»thu' von dir den schnöden Knecht, mein Sohn,
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Er ist nicht getauft, wird selig nicht,
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Sein Mühn bringt nimmer dir Segenslohn;
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Die eigne Hand sei fortan dein Glück!«
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Der Bauer aber entgegnet zurück:
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»wenn selber er von mir geht, mag's sein!
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Nicht mag ich verbannen das Hausglück mein.«

49
Der Bauer füllt dem Kleinen nicht
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Die Schüssel wie sonst, doch hat's nicht Noth,
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Der kichert und zieht ein Schelmengesicht,
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Er melkt ja die Kuh und bäckt ja das Brod!
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Der Bauer grüßt neckend: »Gelobt sei der Christ!«
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Da sagt es nicht Amen, aber es niest,
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Er taucht in Weihbronn den Zappelnden ein,
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Doch kann er nicht los das Hausglück sein.

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Da denkt der Bauer: Ich hab's! und faßt
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Am Küchenheerd den glimmenden Span,
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Die Scheuer, darin sein Knecht schon zur Rast,
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An allen vier Ecken zündet er an;
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Doch was darin an Getreid' und Stroh,
62
Auf vollem Wagen entführt er's froh,
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Die Scheuer flammt auf in grellem Schein:
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»nun werd' ich doch los mein Hausglück sein!«

65
Und wie er so fährt feldein fürbaß,
66
Da hört er, wie's hinter ihm spricht und lacht:
67
»o Bauerndank, o Bauernspaß!
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Zeit war's, daß wir uns davongemacht!«
69
Er sieht sich um; – gemächlich und breit
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Sitzt nickend der Kleine auf dem Getreid'.
71
O Bäuerlein, o Bäuerlein,
72
Du sollst nicht los dein Hausglück sein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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