Es ritten über die weite Haide

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Anastasius Grün: Es ritten über die weite Haide Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Es ritten über die weite Haide
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Zwei Ritter, Freunde in Lust und Leide.
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Da ragt kein Baum und kein Vogel singt,
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Da säuselt kein Laub, kein Bächlein klingt,
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Kein Röslein glüht; nur im falben Kleide
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Weithin dehnt stumm sich die glatte Haide.

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Erst reiten sie still dahin mit Schweigen,
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Wie also die Art ist Freunden eigen,
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Denn spräch' auch Dieser hier aus das Wort,
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Längst fühlt's und denkt's der Andre dort;
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Nur weil so todesstumm die Haide,
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Fährt mählich Redelust in Beide.

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Der Eine spricht: »Wenn ich die Blicke
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Weit über dieß Haidefeld ausschicke,
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Muß diesen unbegrenzten Raum,
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Der ohne Wechsel und ohne Saum,
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Als Bild der Ewigkeit ich deuten,
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Der unsre Seelen entgegenschreiten.«

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Der Andre meint: »Ich bin's zufrieden,
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Ist's unsern Leibern und Seelen beschieden,
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Wie der Staub, von unsern Rossen gestampft,
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Wie der Hauch, aus ihren Nasen gedampft,
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Ein Weilchen über die Haide zu treiben,
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Mag auch die Haide urewig bleiben!«

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Der Erste drauf: »So hältst du in Ehren,
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Mißrathner Sohn, der Mutter Lehren!
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Für dich umsonst vergossen ist
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Des Herren Blut, abtrünniger Christ!
29
So ist dir des Menschen heiliger Glaube
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Nur der des Thiers, des Wurms im Staube!«

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Der Andre dann: »Brennt dir unterm Schopfe
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Des Herren Lichtlein umsonst im Kopfe?
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Und hast du's, eh' es geleuchtet, gestutzt?
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Hat dir's das Pfäfflein pfiffig geputzt?
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Sonst müßtest du als Glück es ehren,
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Wenn wir das Würmlein im Sonnenglanz wären?«

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»wohlan, du Gotteslästrer, verderbe!«
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»wohlan, du Pfaffenknecht, so sterbe!«
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Zum Kampf gewendet Pferd gen Pferd!
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Zum Hieb geschwungen Schwert gen Schwert!
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Ins Herz getroffen und fallend Beide!
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Drauf flücht'ger Staub über ewiger Haide.

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Ich meine, die Schuld an solchem Leide
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Trägt nur die öde, stumme Haide;
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Wenn sie geritten im Palmenhain,
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Sie würden zur Stunde noch Freunde sein;
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Wenn sie geritten im Blumenhage,
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Sie ritten wohl noch am heutigen Tage.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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