Zu Gratz in der Schenke zum Hasen fand

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Anastasius Grün: Zu Gratz in der Schenke zum Hasen fand Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Zu Gratz in der Schenke zum Hasen fand
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Sonst frohe Gesellschaft sich ein,
3
Der Wirth war das lustigste Männlein im Land
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Und schenkte den herrlichsten Wein.

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Still ist's und leer nun, kein Trank und Schwank!
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Dem Wirthe verging der Scherz.
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Es liegt ihm zu Hause die Gattin krank
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Und wimmert im Mutterschmerz.

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Er steht am Bette tröstend und hebt
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Die Hände zum Himmel und spricht:
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»o Mutter deß, der in Ewigkeit lebt,
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Verlasse die Dulderin nicht!

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Und wenn das Kind, das am Arm ihr einst winkt,
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Kann heben den ersten Stein,
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Am Ort, wo der Stein aus der Hand ihm sinkt,
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Dort will ich ein Kirchlein dir weihn!« –

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Einst wallt durch die Flur, die wieder ergrünt,
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Der Wirth und sein holdes Weib,
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Zur Seite tändelt ein liebliches Kind,
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Geschmiegt an der Mutter Leib.

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Das hebt dort am Bach ein Steinchen auf,
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Und trägt's wohl weit noch und lang;
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Hinunter durch Thäler, zu Hügeln hinauf
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Geht wechselnd der Wandelnden Gang.

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Bis tief in ein Thal, vom Wald umkrönt,
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Da läßt es nicht weiter sie gehn;
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Ein Ruf in den Lüften und Herzen ertönt,
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Gebietend, hier stille zu stehn!

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Ein Ruf aus rauschendem Föhrenlaub,
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Aus Wellen, die plätschernd ziehn,
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Aus Blumen und wehendem Blüthenstaub,
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Aus Halmen und Wiesengrün!

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Ein Ruf, der auf Strahlen des Lichtes heran
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Und tief in die Herzen fährt,
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Und wieder als Dank und Jubel hinan
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Zur strahlenden Heimat kehrt!

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Und wie das Kind die Eltern ersah
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Hinknieend mit betendem Mund,
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Ausspannt es die Arme zum Himmel da,
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Der Stein – entsank ihm zum Grund.

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Wohl sieht man zur Stelle ein Kirchlein stehn,
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Man nennt es Maria Grün,
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Noch sieht man das Thal so wunderschön,
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So grünend und duftend blühn. –

45
Das hat zu Mariens und Gottes Ehr'
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Vor Jahren ein Wirth gethan;
47
Die Enkel doch bauten – dem Wirth wohl zur Ehr'? –
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Vorlängst eine Schenke daran!

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So mische sich Jauchzen und Becherklang
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Mit Psalmen und Glockengeläut!
51
So tanze der schwarze Meßner entlang
52
Mit rosiger Kellnerin heut!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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