Gegenüber der Hofburg steht

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Anastasius Grün: Gegenüber der Hofburg steht Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Gegenüber der Hofburg steht
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Der Thurm der Kathedrale,
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Drauf des Landes Banner weht
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Prunkhaft im Sonnenstrahle.

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Sein Nest an der Stange flicht
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Ein Vogel dort alljährlich:
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Ward ihr des Baues Gewicht,
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Das Picken der Jungen gefährlich?

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Hat mitgeholfen der Wind,
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Die Zeit mit zermalmendem Zahne?
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Eines Tages pfeilgeschwind
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Vom Thurme stürzte die Fahne.

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Der Fürst sieht vom Balkon
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Des Banners Sinken und Fallen:
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»verrath und Rebellion!
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Herbei zum Kampf, ihr Vasallen!

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Die Meuter erklommen den Thurm,
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Zu läuten des Aufstands Glocken!
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Sie stürzten mein Banner im Sturm!«
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So rief der Fürst erschrocken.

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Das ist durch Gang und Gemach
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Ein Rufen, Rennen und Schreien!
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Hofdamen flüchten aufs Dach,
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In den Keller die Lakaien.

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Es sprengen rechts und links
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Ordonnanzen und Staffeten,
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Und aus den Kasernen rings
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Hallt's von Trommeln und Trompeten.

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Den friedlichen Bürger verschlingt
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Des Marktes Drängen und Tosen,
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Der Staatsminister springt
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Verkehrt in die Galahosen.

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Von Bajonetten ein Strom
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Quillt blitzend hervor aus den Gassen,
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Es dröhnen Palast und Dom
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Vom Trabe der Reitermassen.

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Zur Stadt im Flügelschritt
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Zieht Landsturm aller Farben
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Und jammernde Bauern mit,
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Ob der zertretenen Garben.

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Kanonen rasseln heran,
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Die Lunte glimmt schlagfertig,
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Entrollt steht auf dem Plan
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Das Heer, des Kampfes gewärtig.

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In der Lüfte sonnigen Strom,
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In der Wolken stummen Reigen
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Ragt still und tief der Dom,
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Am Thurm die Glocken schweigen.

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Wer hat in dieß Volk hinein
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Gesä't des Unheils Samen?
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Ein winziges Vögelein!
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Wer nennt uns seinen Namen?

53
Den Namen kennt man kaum,
54
Er klingt fast wie Gewissen;
55
Man macht aus des Vogels Flaum
56
Allerhand Ruhekissen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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