Das sind die Fluren gottgesegnet

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Anastasius Grün: Das sind die Fluren gottgesegnet Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Das sind die Fluren gottgesegnet,
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Das ist der alte deutsche Rhein!
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Von der Gefährten Lippen regnet
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Kein andrer Reim als Wein und Wein!

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Wie kommt's, daß diesen nun ich fände,
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Den härt'sten von den Reimen all?
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Daß ich vom grünen Rebgelände
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Rückschau' zum grauen Festungswall?

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Dort mußt' ich blüh'nde Rosenwangen
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Umrahmt von Kerkergittern sehn,
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Dort sah aus schwarzen Eisenstangen
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Ein blondes Jünglingshaupt ich spähn!

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Wohl meint' ich, daß am Fensterrande
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Ein süßer Blumenstrauß erblüht,
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Ich ahnte nicht, daß hier zu Lande
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In Kerkern Jugend man erzieht!

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Wo Fesseln Jünglingshände drücken,
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Muß schlimm es mit den Alten stehn!
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Nach deren Armen möcht' ich blicken,
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Ob Kettenspur nicht dran zu sehn?

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Was hat das junge Volk verbrochen?
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Sein Fehler selbst ist schönheitreich!
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Vulkanen gleich, die Laven kochen,
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Sturzbächen, alpentquollnen, gleich.

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Staunt im Vesuve Gottes Wunder,
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Pflanzt dran der süßen Reben Zaun!
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Doch wer hieß euch, so nah dem Zunder,
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Rings eure morschen Hütten baun?

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Sonnt euch in Sturzbachs Farbenbogen!
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Doch euch zum Bade dient er schlecht;
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Vielleicht daß einst im Thal die Wogen
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Zu Bad und Rädertrieb gerecht!

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Kann »Freiheit, Vaterland!« euch schrecken,
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Gejauchzt aus voller Jünglingsbrust?
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Der Riesengeist ist's, den zu wecken,
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Doch nicht zu bannen ihr gewußt!

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Traun, wo die Jugend will entwenden
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Der Alten Degen, scharf und blank,
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Wankt, statt des Schwerts, in greisen Händen
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Gewiß ein Binsenzepter schwank!

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Und wo die Jugend, Rath zu halten,
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Sich drängt zum Senatorenstuhl,
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Da machten sich's gewiß die Alten
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Vorerst bequem im Lotterpfuhl!

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Und wenn von steilen Bergesspitzen
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Der Jugend Wort das Volk ermannt,
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Verkrochen längst in Thalespfützen
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Die Alten sich vorm Sonnenbrand.

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Drum scheint's, daß für der Alten Sünden
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Die Jugend fromm die Kette nahm:
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Im Kerker müßten Greis' erblinden,
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Das Erz bräch' ihre Hände lahm!

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Drum tragt, ihr Jüngling', ohne Schelten
54
Das Eisenband aus Kindespflicht!
55
In Wolken lebt kein Gott, vergelten
56
Einst süß die eignen Söhn' euch's nicht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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