Was des Volks voll Ohrenweide

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Anastasius Grün: Was des Volks voll Ohrenweide Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Was des Volks voll Ohrenweide
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Auf Neapels Molo steht,
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Um den Mann im Narrenkleide,
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Himmelwärts sein Aug' verdreht!

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Wie aus der Tritonen Schlunde
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Dort am Marktplatz Well' auf Well',
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Sprudelt aus verzerrtem Munde
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Plätschernd ihm der Verse Quell:

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Und wie Brunneneimer fangen
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Deine Söhne, Lazarus,
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Seine Ritter, Zaubrer, Schlangen,
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Feen und Drachen vollen Guß!

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Doch mein Herz, fast will's ihn neiden,
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Grüßt ihn Bruder in Apoll!
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Ist's Ein Quell nicht, der in Beiden,
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Nur verschiedne Bahnen quoll?

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Wie die Schönheit seiner Glieder
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Durch die Lumpen des Gewands,
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So durch Fetzen seiner Lieder
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Leuchtet hell des Gottes Glanz.

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Während auf dem Polsterthrone
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Seines Munds Hanswurst sich dehnt,
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Und als echter Lazarone
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Maccaronensold ersehnt;

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Seh' ich um die Stirn' ihm rinnen
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Jovis Wetterleuchten bald,
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Seine Blick' als Adler minnen
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Mit dem schönsten Lorbeerwald.

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Voll von Helden, Wundern, Sagen
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Sieht er rings die weiße See
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Gleich dem Buche aufgeschlagen
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Einer Riesenepopee.

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Und des Golfs Gestade dehnen
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Blüthenvoll sich um die Fluth
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Wie ein Kranz, der, es zu krönen,
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Auf dem Buch des Meisters ruht.

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Der Vesuv dort scheint ein Dichter,
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Ganz von Christi Thrän' erglüht,
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Dem aus trunknem Mund ein lichter
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Flammendithyrambus sprüht!

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Lieder, Bilder, Reim' umklingen
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Um und um dich, mein Poet,
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Brauchst vom Blatt nur abzusingen,
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Was schon rings geschrieben steht.

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Jedes spröden Reimes Hallen
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Macht des Meeres Rauschen gut:
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Doch auch Perlen, dir entfallen,
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Schnell verschlingt sie, ach, die Fluth!

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Lauschend hält dich Volk umfangen,
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Elend in dem hohlen Blick,
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Hungers Furchen in den Wangen,
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Last der Knechtschaft im Genick.

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Um jed' Antlitz um die Wette
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Breitet Lächeln jetzt sich aus,
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Das aus seinem Furchenbette
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Selbst den Hunger wirft hinaus!

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O wie gut dieß heil'ge Lächeln
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Dem zerlumpten Bettler steht,
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Wie vom Mast der Flagge Fächeln
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Das zerschellte Wrack umweht!

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Wie von blitzzerspellten Bäumen
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Noch ein grünes Zweiglein bebt;
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Wie ob schwarzen Brandesräumen
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Eine Schwalbe gastlich schwebt!

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Wie ein spielend Kind am Rücken
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Einer schlummernden Hyän,
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Traun, daß fast ich zu erblicken,
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Orpheus, deine Wunder wähn'!

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Sinnend senkt mein Aug' sich nieder,
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Mich berührt des Gottes Hauch!
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Feiert je ihr, meine Lieder,
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Solchen Sangtriumph wohl auch?

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Wenn ich's je bedauern lerne,
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Daß kein eigner Kranz mich schmückt,
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Ist es dann, wenn ich ihn gerne
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Auf ein würd'ger Haupt gedrückt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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