Feldgrüne, Meeresbläue, Himmelshelle

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Anastasius Grün: Feldgrüne, Meeresbläue, Himmelshelle Titel entspricht 1. Vers(1842)

1
Feldgrüne, Meeresbläue, Himmelshelle,
2
Mir sonst so lieb, wie grinst ihr hier mich an!
3
Blau ist das Meer, doch trägt die ruh'nde Welle
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Kein Segel, keinen Nachen, keinen Schwan.

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Hell ist die Luft, doch eine Glanzeswüste,
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Durch die kein Vogel singt, kein Wölkchen schwebt;
7
Grün ist das Feld, doch Moor, bis fern zur Küste,
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Draus sich kein Haus, kein Baum, kein Strauch erhebt.

9
Und nur ein Streif von weißem Nebelrauche
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Kriecht durch die Mooresöde, lang und weit,
11
Als wälzte fraßesmatt, träg auf dem Bauche
12
Dahin die Schlange sich der Ewigkeit.

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Sieh, mählich aus dem schwanken Dunstkolosse
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Entringt sich Form und Bild im Sonnenstrahl,
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Er wird zum leuchtenden kristallnen Schlosse
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Mit blankem Silberdach und hohem Saal.

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Auf diamant'nem Thron saß siegestrunken
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Der König, – ach, wie hieß er doch? – sein Haupt
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War an die Brust der Königin gesunken,
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Vom Kranz war's der Unsterblichkeit umlaubt.

21
Am Throne links rührt' eine goldne Leier
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Ein Dichter süß, – wie hieß er doch? – der sang:
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»unsterblich ist dein Lieben! ihm zur Feier,
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Fürst, gibt ja mein unsterblich Lied den Klang!«

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Am Throne rechts, da saß ein weiser Seher, –
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– Wie hieß er doch? – der schrieb's in Marmor ein:
27
»unsterblich ist dein Sieg! Es müßte eher
28
Ja mein unsterblich Wort verklungen sein!«

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Ein Volk, – wie hieß es doch? – das pries unsterblich
30
Den Sänger, Seher und das Fürstenpaar:
31
»ein Volk, an Glück und Ehren unverderblich
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Hebt auf dem Schild euch zu den Göttern dar!«

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Als so den Trank Unsterblichkeit sie tranken
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In vollem Zug, faßt Trunkenheit sie all',
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Des Königs Kron', des Dichters Harfe wanken
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Des Weisen Marmor, Volk und Schloß und Wall!

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Wo flieh' ich hin, daß nicht kristall'ne Thore,
38
Demant'ne Säulen stürzen auf mich ein? – –
39
Ei, sieh um dich! Im weiten grünen Moore,
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Am Strand des Meers, stehst du ja ganz allein!

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Und nur ein Streif von weißem Nebelrauche
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Kriecht durch die Mooresöde, lang und weit,
43
Als wälzte fraßesmatt, träg auf dem Bauche
44
Dahin die Schlange sich der Ewigkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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