Pinie und Tanne

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Anastasius Grün: Pinie und Tanne (1842)

1
Nah des Grenzpfahls kaltem Banne
2
Zwischen deutsch' und wälschen Landen,
3
Eine Pinie, eine Tanne
4
Hart beisammen grünend standen.

5
Wie Vorposten grüner Jäger,
6
Ihren Heeren vor sich wagend,
7
Zweier Reiche Bannerträger,
8
Nords und Südens Fahne tragend;

9
Oder gleich zween Abgesandten,
10
Die mit Friedensgruß und Kränzen
11
Hier sich froh begegnend fanden
12
An der beiden Reiche Grenzen.

13
Pinie sprach: »Durch mich begrüßen
14
Reb' und Nachtigall die Schwestern,
15
Die auf Deutschlands Hügeln sprießen,
16
Singen in den nord'schen Nestern.

17
Apennin, in dessen Locken
18
Ich nur bin ein Blatt des Kranzes,
19
Er entbeut dem alten Brocken
20
Einen Gruß voll Sonnenglanzes!

21
Mögen nach verborg'nen Erzen,
22
Ird'schen Haß und Stolz zu kühlen,
23
Nie in seinem edlen Herzen
24
Menschenhände frevelnd wühlen!

25
Mög' ums Haupt ihm eines hellen,
26
Ew'gen Lenzes Krone glimmen,
27
Und zu Füßen ihm die Quellen
28
Tausend Silberharfen stimmen!

29
Lind um seine Schläfen schmiege
30
Sich ein Traum von alten Tagen,
31
Als sie in des Chaos Wiege
32
Schlummernd noch beisammen lagen!«

33
Tanne drauf: »Von Deutschlands Hainen
34
Grüß' ich Oelbaum, Lorberwälder;
35
Mögen sich die Zwei stets einen
36
So um Stirnen, wie um Felder!«

37
Rhein entbeut dem Po, der Tiber
38
Gruß und Segen, den Geschwistern!
39
Also hört' ich mir vorüber
40
In den Silberbart ihn flüstern:

41
»o daß ihre schönen, bleichen
42
Wellen Menschenblut nie färbe,
43
Nie die schnöde Fracht der Leichen
44
Ihren stolzen Nacken kerbe!

45
Mag nur Rosengluth sie röthen
46
Und Orangenduft berauschen,
47
Daß sie dann, die palmumwehten,
48
Schlummernd schönern Träumen lauschen:

49
Wie wir einst ins Weltmeer steigen,
50
Jubelnd dort zusammenklingen,
51
Hand in Hand den ew'gen Reigen
52
Um die blüh'nde Welt zu schlingen!«

53
So bemühn sich Beid' aufs Beste
54
Ihre Sendung zu vollführen,
55
Während sanft sich ihre Aeste,
56
Wie zum Händedruck, berühren.

57
Schöne Pinie, deine Losung?
58
»lenz und Friede, Licht und Liebe!«
59
Starke Tanne, deine Losung?
60
»lenz und Friede, Licht und Liebe!«

61
Reben, die in wilden Keimen
62
Ueppig Stämm' und Aest' umstricken,
63
Schlagen zwischen beiden Bäumen
64
Kühn des Friedens grüne Brücken.

65
Eine Nachtigall schwebt singend
66
Diese Brücken auf und nieder,
67
Tann' und Pinie ganz umschlingend
68
Mit dem Netze süßer Lieder.

69
Horch, da hör' ich Trommeln hallen,
70
Schrecken zittert durch die Bäume!
71
Seh' die Wolke Staubes wallen,
72
Sie verschneit die Frühlingsträume!

73
Meiner Heimat Kriegesmannen
74
Ziehn vorüber und sie pflücken
75
Zweige sich von Pinien, Tannen,
76
Tschako und Standart' zu schmücken.

77
Brüder, zieht mit Gott die Bahnen!
78
Doch aus euch, ihr Zweig', umkeime
79
Ihre Schläfen leis ein Mahnen
80
Eurer Botschaft, eurer Träume.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.