Auf der Hauptwacht sitzt geschlossen

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Anastasius Grün: Auf der Hauptwacht sitzt geschlossen Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Auf der Hauptwacht sitzt geschlossen
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Des Gebirges schlanker Sohn,
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Morgen frühe wird erschossen,
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Der dreimal der Fahn' entflohn.

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Heute gönnten mit Erbarmen
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Sie ihm Wein und Prasserkost;
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Doch in seiner Mutter Armen
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Gibt und nimmt er letzten Trost:

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»mutter, seht, die närr'schen Leute
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Heischten Treu' und Eid mir ab,
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Die ich doch, und nicht erst heute,
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Meiner lieben Sennin gab!

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Soll mein Blut dem Fürsten geben,
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Mag wohl sein ein guter Mann;
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Doch er fordre nicht mein Leben!
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Was blieb' euch, o Mutter, dann?

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Eures Hauptes Silberflocken,
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Acker schirmen, Hof und Haus
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Und der Liebsten goldne Locken,
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Füllt's nicht schön ein Leben aus?

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Hoch von langen Stangen wallten
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Fetzen Tuchs, drauf sie recht fein
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Ein geflügelt Raubthier malten;
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Und da sollt' ich hinterdrein!

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Dem Gevögel Adlern, Geiern,
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War ich doch mein Lebtag gram;
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Schoß manch einen, der zu euern
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Und der Liebsten Heerden kam!

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Ueber eine blanke Schachtel
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Spannten sie ein Eselsfell:
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Welch Gedröhn, statt Lerch' und Wachtel,
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Die im Korn einst schlugen hell!

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Trommellärm trieb mich von dannen,
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Alphorn rief mich zu den Höhn,
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Wo die grünen, duft'gen Tannen,
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Meine echten Fahnen, wehn!

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Unserm Küster lauscht' ich lieber
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Mit dem tapfern Fiedelstrich,
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Während vom Gebirg herüber
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Süß'rer Klang mein Ohr beschlich!

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In zweifarbig Tuch geschlagen,
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Knebelten mich Spang' und Knopf,
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Einen Höcker sollt' ich tragen
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Und als Hut solch schwarzen Topf!

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Besser läßt, das sieht doch Jeder,
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Mir der grüne Schützenrock,
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Auf dem Hut die Schildhahnfeder,
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Stutzen auch und Alpenstock!

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Wachtstehn sollt' ich Nachts vor Zelten!
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Lullt mein Wachen sie in Ruh?
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Legt der Herr den mir geschmälten
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Schlummer wohl dem ihren zu?

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Besser als durch mich geborgen
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Stellt' in Himmels Schutz ich sie;
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Und vor Liebchens Haus am Morgen
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Stand als Ehrenwacht ich früh.

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Morgen, wenn die Schüsse schüttern
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Mutter, denkt, daß fern von euch
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Im Gebirg bei Hochgewittern
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Mich erschlug ein Wetterstreich!

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Besser will mir's so behagen!
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Kann doch auf den Lippen treu
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Euren, ihren Namen tragen,
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Wie der blüh'ndsten Rosen zwei!«

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Und der Morgen stieg zur Erde;
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Unter laub'gem Blüthenbaum
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Ruht die Sennin; ihre Heerde
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Weidet rings am Bergessaum.

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Horch! Im Thalgrund Büchsenknalle,
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Daß, aus seinem Morgentraum
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Aufgeschreckt vom rauhen Halle,
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Bang und zitternd lauscht der Baum!

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Aus der Krone losgerüttelt
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Taumeln Blüthenflocken hin,
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Tropfen Thau's, wie Thränen, schüttelt
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Er aufs Haupt der Sennerin!

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Und entsunken sind zur Stunde
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In dem Thale, grün und frei,
79
Einem rothen Jünglingsmunde
80
Wohl der blüh'ndsten Rosen zwei.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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