Alpensöhne, frei und bieder

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Anastasius Grün: Alpensöhne, frei und bieder Titel entspricht 1. Vers(1842)

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Alpensöhne, frei und bieder,
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Wenn in unsre Städt' ihr wallt,
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Jauchzt ihr auch das Lied hernieder,
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Das auf euren Bergen hallt;

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Wollt' auch unsern Augen bieten,
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Was auf euren Alpen blüht:
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Rosen auf den grünen Hüten,
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Und wohl Rosen im Gemüth.

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Jetzt da ich erklommen habe
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Eurer Berge Hochgebiet,
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Bring' auch ich euch würd'ge Gabe?
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Kranz für Kranz, und Lied für Lied?

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Blumen mag ich zwar auch bieten,
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Aber frostig, steif und kalt,
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Wie der Winter solche Blüthen
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Höhnend uns ans Fenster malt.

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Kranz um Kranz auch mag ich tauschen,
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Aber dürr und ohne Duft,
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Knisternd wie Cypressenrauschen
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An gestorb'ner Hoffnung Gruft.

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Denn des Thals Gedanken drängen
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Sich um mich hier oben auch,
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Und als eis'ge Blumen hängen
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Sie sich rings an Fels und Strauch.

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Auf der Bank der Alpenhütte
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Sitz' ich nun zur Abendraft,
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In der grünen Triften Mitte,
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Schönste Hirtenmaid, dein Gast.

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Stolz sehn dort die Tannen nieder,
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Ihr Gewand vertauschend nie!
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Freiheitsdurst'ge Waffenbrüder,
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Haltet Farbe, so wie sie!

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Fällt auch eine gleich von diesen
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Hier und dort der Aexte Spiel,
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Ist's vom Haupt des Bergesriesen
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Nur ein Haar, das ihm entfiel.

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Seht den Quell Demanten stäuben
38
Im Gebirg', wo frei er fleußt,
39
Doch verdämmt nur Mühlen treiben! –
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Stäub' Demanten, Menschengeist!

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Ha, wie fest die Sennenhütte,
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Steinbeschwert, im Sturm sich hält!
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Seht's, ihr Bauherrn, die zum Kitte
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Eures Baues Blut ihr wählt!

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Seht auch dort das Bergschloß schimmern,
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Dessen Mörtel laut'rer Wein!
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Wollt ihr auch so dauernd zimmern,
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Nehmt auch Kitt, so frisch und rein!

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Horch, ein Knall! die Felsenadern
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Dort am Bergwerk sprengen sie!
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Pulver sprengt wohl einz'le Quadern,
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Doch ein Volk von Felsen nie!

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Stolzen Haupts im Silberstrahle
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Stehn die Riesen unbesiegt,
55
Während etwas Staub im Thale
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Ihnen von den Sohlen fliegt!

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Adler, hoch im Blau dich wiegend,
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Lieblingslied im Fürstentraum,
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Doppelt ihrem Stolz kaum g'nügend
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Und erreicht doch einfach kaum!

61
Thier, flieg in die Sonnenauen,
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Laß im Staub den Menschen gehn!
63
Doch ein Lamm in deinen Klauen!
64
Ha, war's also zu verstehn? –

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Ferne Abendglocken singen
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Frieden ins Gebirg hinein,
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Und die Alpenhörner klingen
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Und die Blumen nicken ein.

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Glocke voll der Zauberklänge,
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Menschenwort! O daß so traut
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Frieden durch das Thal es sänge,
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Wo die Menschheit Hütten baut!

73
Guten Abend, schöne Dirne,
74
Ei und bringst du Röslein mir?
75
Eine Maid mit heit'rer Stirne
76
Ist die Freiheit auch, gleich dir!

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Ach, wann wird sie Rosen pflücken
78
Aller Welt, so wie du mir?
79
Wann die Welt ins Aug' ihr blicken
80
Ach so gerne, wie ich dir?

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Alpenblümlein rings im Moose,
82
Ei, was sagt denn ihr dazu?
83
Alpendirnlein, schön und lose,
84
Und was meinst denn du?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anastasius Grün
(18061876)

* 11.04.1806 in Ljubljana, † 12.09.1876 in Graz

männlich, geb. Grün

österreichischer Dichter und Politiker

(Aus: Wikidata.org)

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