Casparus Schvvenckfeldius est Sanctus Christianus

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Anna Ovena Hoyers: Casparus Schvvenckfeldius est Sanctus Christianus (1619)

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Caspar Schwenckfeld Ein Seeliger Christ
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Vnd Zeug der reinen Warheit ist/
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Sein gedechtnüß bleibt jederfrist/
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Wird nicht gedempfft durch Satans list.

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Der Frommen Lob breittet auß mit reden und schreiben/
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Der Gerechten gedechtnüß wird im Segen bleiben,
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Kein Teuffel oder böser Mensch wird sie vertreiben.

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Der Warheit zeug, ein Frommer Christ;
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Hat Gottes Wort bey seiner zeit
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Durch red und schreiben außgebreitt/
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Vnd umb deßwillen viel gelitten/
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Weil Satan wieder ihn gestritten/
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Vnd seine Hund' an ihn gehetzt/
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Die ihm starck haben zugesetzt/
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Vnd hätten ihn zerrissen gern:
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Aber er war im schutz des Herrn/
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Sie musten ihn passieren lassen
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Frey unbeschädigt seine strassen.
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Er hat gelebet Gott zum preiß/
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Vnd ruhet itzt im Paradeys:
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Sein Bücher gehn/ Satan zum trotz/
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Durch Stät und Land/ sind vielen nütz/
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Auch kommen Gott sey lob zu mir/
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Viel gutes ich darinnen spühr/
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Des waren Wortes Eigenschafft/
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Sein lebendige würcklich krafft/
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Sein wesen her von Ewigkeit/
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Wird uns hirin klar angedeut.
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Auch vom Buchstab der Heilig'n Schrifft/
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Was sein Würckung und art betrifft/
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Vnd daß er nur sey ein Figur/
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Des Waren Worts
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So für den eussern Menschen ist;
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Aber Gottes Wort Jesus Christ/
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Ist Geist und Leben/ redt inwendig/
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Machet allein das hertz verständig/
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Endert der Menschen sinn und muth/
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Reicht weiter dann der Buchstab thut.
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Das Eußer nur die Ohren rührt/
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Das Inner wort zum Geist einführt;
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Bringt mit ihm lebens krafft und safft/
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Ohn diß das Eußer weinig schafft/
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Drumb soll man nach dem Innern trachten/
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Das Eußer aber nicht verachten;
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Sondern zum zeugnuß nemen an/
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Weil es uns dazu dienen kan/
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Vnd ist darumb gebracht ans Liecht/
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Daß es uns sey zum unterricht/
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Vns tröst/ lehr und vermahn mit fleiß
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Zuführ/ und auff das Inner weiß:
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Kan sonst nichts mehr/ ist viel zu schlecht;
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Der Geist ist Herr/ der Buchstab knecht.
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So ich des Worts krafft soll geniessen
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Muß der Herr selbst mein hertz auffschliessen.
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Gleich wie der Purpur Krämerinnen/
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Alß wir in
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Vmbsonst ist was man hört und list/
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So nicht das Wort inwendig ist.
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Vom Herren das gedeyen fleust,
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Das inner kan sein wirckung haben/
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Ohn eußer mittel und Buchstaben:
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Aber ohn krafft des innern liechts/
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Wircken die eußern mittel nichts.
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So uns soll nutz seyn hörn und lesen/
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Muß wircken diß das ware wesen.
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Das Wort das uns die Schrifft erklert/
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Die Salbung die uns alles lehrt/
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Ist die warheit die niemand treugt/
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Ein Mund ohn falschheit/ der nicht leugt/
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Der Schlüssel Davids der auffschleust/
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Der Brunn darauß die Weißheit fleust/
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Ein Liecht so das hertz
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Der Weg so uns zum Vater führt.
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Im Anfang war dieß Lebens Wort/
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War bey Gott/ war Gott/ bleibt hinfort/
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Bey Gott und Gott in Ewigkeit.
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Vnd diß Wort ward Fleisch in der zeit/
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Ist zu uns in die Welt gekommen/
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Ward von der Welt nicht angenommen:
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In der finsternuß scheint diß liecht/
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Die finsternuß begreifft es nicht.
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Druch diß Wort ist die Welt gemacht/
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Vnd/ was man sicht/ ans liecht gebracht:
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All' wachsende ding kommen fort
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Noch täglich/ durch diß kräfftig Wort.
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Diß Wort ist der Balsam in allen/
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In Thieren/ Kräutern und Metallen.
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Alles wird durch diß Wort bewegt/
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In diesem Wort sich alles regt.
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O blinder Menschen unverstandt/
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Möcht euch diß Wort seyn recht bekant!
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Ihr würdet ander sachen spühren/
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Vnd viel ein bessers leben führen/
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Aber wer ist der darnach fraget?
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Man schreyt und schreibt/ man singt und saget/
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Ist alles umbsonst und verlohren/
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Verstockt und verstopfft sind die ohren.
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Das mach't der böse will allein/
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Keiner begehrt recht weiß zu seyn;
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Jedermann meynet er sey klug/
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Der Buchstab geb' ihm liechts genug.
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Kompt einer her und sagt vom Geist/
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Der wird sehr übel abgeweist/
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Vnd alß ein Ketzer hart verklaget/
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Genant Schwenckfelder und Phantast/
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Rosencreutzer/ Enthusiast/
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Chiliast/ Weigelianist/
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Davidianer/ Neutralist.
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Welche nicht mit dem grösten hauffen
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Den breiten Welt-weg wollen lauffen:
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Sondern nach Christi Lehr sich halten/
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Die sind verhasst bey Jung'n und Alten.
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Ja, alle die den innern grund/
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Mit hand und mund recht machen kund/
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Vnd vom Geist sagen oder schreiben/
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Können nirgend mit frieden bleiben.
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Der Dreyköpffige Hund der Hellen/
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Kan's lassen nicht/ muß sie anbellen:
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Ihr keiner vom Geist hören will.
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Wilt haben fried/ schweig davon still;
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Das inner wort redt viel zu hart/
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Wieder des alten Adams art.
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Es ist dem fleisch ein schweres Creutz/
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Keiner von den Welt-kindern leidts/
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Weil sie zu weit sind außgefallen;
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Der alte Wahn ist starck in allen.
127
Die breite Bahn ist leicht zu lauffen/
128
Man helt es mit dem grösten hauffen.
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Welt gunst und freundtschafft hindert viel/
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Daß man nicht kompt zum rechten Ziel.
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Der Gelerten
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Vielen frommen im liecht auch steht/
133
Daß sie nicht wieder kehren ein/
134
Zu dem darauß sie kommen seyn.
135
Der Ketzer Name manchen schreckt/
136
Daß er den kern der Schrifft nicht schmeckt.
137
Keiner will sich gern schelten lassen/
138
Vnd sehn daß ihn die Freunde hassen.
139
Man liebet mehr Welt-freund' und Ehr/
140
Alß Gottes Wort und reine Lehr.
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Darumb bleiben auch viel dahinden/
142
Werden die Weißheit nimmer finden.
143
Aber all' die sich hertzlich gern
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Woll'n lassen lehrn vom Geist des Herrn/
145
Vnd nach dem schatz im Acker trachten/
146
Welt-kunst/ gunst und freundtschafft verachten/
147
Schmach/ schelt- und Läster-wort vertragen/
148
Nach Ehr und Ansehn nicht mehr fragen/
149
Die Welt und alle ding verlassen/
150
Ja, auch ihr eigen leben hassen/
151
Die sind durch Gottes gnad geschmückt/
152
Würdig gemacht und wolgeschickt/
153
Im innern Tempel einzugehn/
154
Des Herren Herrlicheit zusehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Ovena Hoyers
(15841655)

* 01.01.1584 in Koldenbüttel, † 27.11.1655 in Gut Sittwick bei Stockholm

weiblich, geb. Hoijers

norddeutsche Dichterin der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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