Ein Mann der lust zu freyen hat/

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Anna Ovena Hoyers: Ein Mann der lust zu freyen hat/ Titel entspricht 1. Vers(1643)

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Ein Mann der lust zu freyen hat/
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Soll erstlich bitten Gott umb gnad:
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Vnd darnach folgen mit der that
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Ders nicht will thun, wird haben schad.

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Abschewlich ist mir anzusehn
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Ein altes Weib fürm Pfaffen stehn/
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Beym Mann sich lassen trawen.
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Kein lust/ frewd oder zeitvertreib
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Kan seyn bey einem alten Weib/
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Das Ansehn bringet grawen.
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Was solt denn das anrühren nicht?
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O armer Mann der sich verpflicht
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Sein zeit so hin zu bringen
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Ohn frucht/ frewd und ergetzligkeit/
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Verlohren ist all sein arbeit/
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Das heist nach unglück ringen.
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Ist doch kein lieblichkeit daran!
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Man schmück es auch so schön man kan/
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Laß koltzen/ kosen/ kallen
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Babst/ Bischoff/ Bader/ Herr und Knecht/
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Wenn sie es hielten all für recht/
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Wills mir doch nicht gefallen.
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Ich halt der Alten Weiber Frey
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Für ein Ehrbare Hurerey
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Warheit höfflich zu sagen:
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Aber man wil sie hören nicht/
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Sie findt kein Herberg/ wie man spricht/
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Dennoch muß ich es wagen/
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Vnd sagen: Es ist schand im Land
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Daß man setzt solche im Ehestand
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Die nicht mehr können taugen.
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Betrachtet des Ehestands
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Ich bitt euch alle noch einmal/
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Seht doch mit eignen augen/
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Wachset und mehrt euch/ spricht der Herr/
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Kein altes Weib dient darzu mehr/
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Ist dann solch Frey nicht grewlich?
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O lieben Männer jung und alt/
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Der Alten Weiber euch enthalt
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Ich warn euch für sie trewlich:
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Denn es ist doch bey ihrer frey/
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Kein Gottes segen noch gedey.
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Ein solch Heyrath gehöret
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Zum grewel der Verwüstung mit/
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Der Geist des Lebens wird verschüt/
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Viel guts dadurch zerstöret/
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Des Herren grimm und straff erweckt/
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Vnd das Gewissen sehr befleckt/
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Diß wollet wol bedencken:
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Vnd ewer Adelich Freyheit/
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Mannliche Krafft und Herrligkeit
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Nicht Alten Weibern schencken.
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Sonst daß man Alte Frawen ehrt
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Ist billig/ weil die Schrifft es lehrt/
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Wenn die sich ehrbar halten/
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Lehren die Junge Frawen fein
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Keusch/ unterthan und heußlich seyn.
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Sind recht Ehrliche Alten/
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Ihr Hoffnung ist gestelt zum Herrn/
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Er ist der Mann den sie begehrn/
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Vnd keinen mehr zu kennen/
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Ihnen soll man im Wittwenstand
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Gern reichen die Hülffliche hand
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Sie liebe Mutter nennen:
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Aber Ehe-Weib das ist zuviel.
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Vnd weit geschritten übers ziel;
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Darumb laßt solche bleiben
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In jhrer Ruh und Einigkeit/
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So könnt ihr auch ohn rew und leit/
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In Frewd die zeit vertreiben.
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Ob schon ein Mann alt ist, noch dann
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Er wachsen und sich mehren kan
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Oder sein Hauß auffbawen/
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Vnd setzen newe stützen drein/
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Nemlich hertzliebe Kinderlein
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Bey einer Jungen Frawen;
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Aber ein Junger Mann im hauß
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Beym alten Weib/ richt gar nichts auß/
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Hopffn und Maltz ist verlohren/
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Die Brüst sind leer/ drinn ist nichts mehr/
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Der alte Leib steckt voll beschwer/
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Nichts guts wird drauß geboren.
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Darumb jhr Freyer rath ich euch/
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Erwehlt ein Junge Tugend-reich/
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So wird ewr Stamm-baum grünen;
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Sie kan vermehren ewr Geschlecht/
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Vnd euch mit Lieb auffwarten recht
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In allen dingen dienen/
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Die das thun/ O wol ihnen!
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Laßt alte Weiber unberührt/
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Vnmolestirt und unturbirt/
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Ins Hauß ein Junge Jungfraw führt/
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Vnd damit ewern Ehstandt ziert/
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Wer diß nicht thut/ der ist vexiert/
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Schimpff er zum schaden haben wird.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Ovena Hoyers
(15841655)

* 01.01.1584 in Koldenbüttel, † 27.11.1655 in Gut Sittwick bei Stockholm

weiblich, geb. Hoijers

norddeutsche Dichterin der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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