Den sie auß gutem hertzen hat

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Anna Ovena Hoyers: Den sie auß gutem hertzen hat Titel entspricht 1. Vers(1645)

1
Den sie auß gutem hertzen hat
2
Allen Alten Wittwen gegeben/
3
Darnach zuleben;
4
Vber diese die widerstreben/
5
Wird unglück schweben/
6
Diß mercket eben.

7
Stell das Tantzen ein/
8
Laß die Männer seyn/
9
Hüte dich fürs Freyn/
10
So du wilt gedeyn.
11
Halt dich still und rein;
12
Acht den Rath nicht klein/
13
Gut mit dir ichs meyn.

14
Ihr Alten Weiber höret her;
15
Was ich euch rath/ nemt an die Lehr/
16
Begehret keine Männer mehr/
17
Sonst stürtzet ihr euch in beschwer/
18
Vnd wird euch endlich rewen sehr.

19
Ein Wittwe Alt von Jahren
20
Soll sich nicht wider pahren/
21
Vnd im Ehelichen leben/
22
Beym Mann mehr wider geben;
23
Sondern in Einsamkeit
24
Zubringen ihre zeit/
25
Vnd in der furcht des Herren/
26
Nach
27
Die Junge Frawen lehren/
28
Ihre Ehe-Männer ehren/
29
Kinder erziehn und nehren/
30
Des hauses wolfart mehren/
31
Desselben schaden wehren/
32
Alles zum besten kehren.
33
So wird Gott gnad bescheren.
34
Das wünsch trewlich/
35
Von hertzen ich

36
Ihr Wittwen über funfftzig Jahr
37
Haltet euch still/ seyt fein Ehrbar/
38
Liebet das Einsam leben:
39
Bleibet alß Gott euch hat gesetzt/
40
In seiner Liebe euch ergetzt:
41
Das hertz sollt ihr ihm geben/
42
Vnd nicht mehr treten an den tantz/
43
Mit Heintz/ Kuntz/ Hannß/ Fritz oder Frantz.
44
Sie meynens nicht so trewlich
45
Wie manches Weib sich bildet ein/
46
Lieben nur ewer gelt allein;
47
Ohn das seyt ihr abschewlich.
48
Ich weiß es/ mercket was ich sag/
49
Ihr seyt den Männern nur ein plag/
50
Sie können euch nicht lieben.
51
Ob sie sich freundtlich stellen schon/
52
Ist doch das hertz sehr weit davon/
53
Sie müssen sich betrüben.
54
Mit seufftzen sie zu bette gehn/
55
In trauren widerumb auffstehn;
56
Sehn euch scheel an mit schmertzen.
57
Das Alte blut macht kalt den muth/
58
Nichts ist annehmlich was ihr thut/
59
Kein schertzen geht zu hertzen.
60
Trawt mir ich zeig die warheit an/
61
Ein altes Weib bey einem Mann
62
Kan nimmermehr gedeyen.
63
Exempel hab ich viel gesehn/
64
Wie wunderbar es pflegt zugehn/
65
Wann alte Frawen freyen.
66
Man hats erfahrn bey den Nachbarn/
67
Wie sie geschleppt sind bey den Harn/
68
In ihren Alten Tagen:
69
Daß ich gedacht: O armes Weib/
70
Wie wird
71
Du magst von ungluck sagen/
72
Hast gethan einen bösen kauff/
73
Da du dir diesen schlag darauff/
74
Zum Ehmann hast genommen.
75
Wahrlich es kan nicht wol gedey'n/
76
Wann Alte Weiber wider frey'n;
77
Nachrewen pflegt zukommen.
78
Wie mancher Mann fällt in Ehbruch
79
Darüber in Gotts zorn und fluch/
80
Ins Richters hand darneben?
81
Liebe Fraw Alte saget doch/
82
Wo kompt diß her? man fraget noch:
83
Habt ihr kein ursach geben?
84
Ja freylich/ jhr seyt schüldig dran/
85
Daß euch der Mann nicht lieben kan:
86
Dann es ist nichts zufinden
87
An ewerm leib und Angesicht
88
Das jhn zur lieb bewegen mücht/
89
Er seh' vorn oder hinden;
90
Beym Alten Weib wird keiner frisch/
91
Es sey im Bett od'r an dem Tisch/
92
Bedencket diß jhr Alten.
93
Im Ehstand' ihr euch gar nicht schickt/
94
Kein Mann wird mehr durch euch erquickt/
95
Wer kan's mit Alten halten?
96
Sie sind der Männer Fegefeur/
97
Ihr gelt kaufft mancher viel zu theur/
98
Wer' gern davon frey wider:
99
Spricht: O daß ich ein' Junge hett/
100
Bey der ich möcht im Ehebett/
101
Außstrecken meine glieder.
102
Sehr thörlich hab' gehandelt ich/
103
Da ich ließ also binden mich/
104
Vmbs losen geldes willen.
105
O phuy der schand/ wer löst den band?
106
Ist dann niemand im gantzen land/
107
Der mir mein leit kan stillen?
108
Gott stürtz den Pfaffen in die Hell/
109
Der mich bandt an das Alte fell/
110
Er hat gehandelt trüglich:
111
Daß ihm ankomb die schwere seuch.
112
Er sprach: Wachset und mehret euch/
113
Wust doch daß nicht war müglich.
114
Ach leider ach/ es ist geschehn/
115
Geschehn ding' nicht zu endern stehn/
116
Hin ist mein freud und lachen:
117
Zuseufftzen wird mein hertz beweg't/
118
So offt ich seh' daß sie sich reg't;
119
Ach/ ach/ wie soll ichs machen?
120
Wer hilffet mir? wer steht mir bey?
121
Wer mach't von ihr mich wieder frey?
122
Wer kan mein leiden enden?
123
Niemand ohn Gott; Er helff auß noth/
124
Ihn bitt' ich/ daß Er woll den todt
125
Zu meiner Alten senden.
126
Die Red' hört man/ und noch viel mehr/
127
O liebe Alt' so gehts daher/
128
Todt wunschet er euch täglich;
129
Verfluchet beid die stund und zeit/
130
In welcher er euch hat gefreyt/
131
Nichts ist an euch behäglich:
132
Vnd diß/ so noch das ärgste ist/
133
Das ihm benimbt all lieb und lust/
134
Er kan nicht Vater werden;
135
Bekombt von euch kein Kinderlein/
136
So lang ihr lebet/ muß er seyn
137
Ein Dürrer Baum auff Erden.
138
Ew'r Magnet hat sein krafft verlohrn/
139
Kein Kindt wird mehr auß euch geborn/
140
Das bringt dem hertzen schmertzen/
141
Vnd thut ihm weh/ wann er muß sehn
142
Ins Nachbarn hause Kinder gehn/
143
Die mit dem Vater schertzen:
144
Wann sie alß Pfläntzlein Jung und frisch/
145
Sich mit der Mutter an den Tisch
146
Zu seiner seiten setzen/
147
Sieht sie des Alten Weibes Mann/
148
Sehr traurig an/ und spricht alßdann:
149
Was soll doch mich ergetzen?
150
Ich hab im Hauß kein zeitvertreib/
151
Muß einsam seyn beym Alten Weib/
152
Das mich nicht kan erfrewen!
153
O daß ich so verheyrath bin/
154
Wie geht mein Edle zeit dahin/
155
Mein tag wirds mich gerewen!
156
Also ihr Alten Weiber seht/
157
Was auß ewer beyrath entsteht/
158
Stellet doch ab diß klagen/
159
Bleibt ungefreyt in reinigkeit/
160
So macht ihr euch kein hertzenleit/
161
Den Männern auch kein plagen.
162
Wollt ihr daß es euch wol soll gehn/
163
So lasst das freyen nur anstehn/
164
Befehlt es Jungen Frawen;
165
Denn dar ist noch ja hoffnung an;
166
Ein Junge Fraw kan ihrem Mann
167
Die Welt noch helffen bawen.
168
Ein Altes Weib dient nirgends zu/
169
Dann fein zu sitzen in der ruh'/
170
Oder den Kindes-kindern
171
Auffwarten und behülfflich seyn/
172
Sie wiegen/ winden/ halten rein/
173
Vnd wischen ihren hindern:
174
Das thut weil Gott euch kräffte günnt/
175
Vnd was ihr sonst im hause könnt/
176
Mit Nehen oder Spinnen.
177
Trawt Gott und betet in der noth/
178
So werdet ihr wol ewer broth
179
Ohn einen Mann gewinnen.
180
Gott nimmt sich der Elenden an/
181
Ist aller frommen Wittwen Mann/
182
Ein Vatter ihrer Kinder:
183
Weiß was ein ieder nötig hat/
184
Gibt allen Notturfft und Vorrath/
185
Sein schatz wird nimmer minder.
186
Seht nur auff ihn/ sonst auff niemand/
187
Nem't alles an von seiner hand/
188
Seyt danckbar seiner gaben;
189
Vnd willig so gern Arm alß Reich/
190
Es sey euch gleich Gott speise euch
191
Durch Engel oder Raben.
192
Ist übrig/ theilt mit dem der bitt/
193
Nach aller frommen Christen sitt;
194
Habt ihr nicht viel/ gebt weinig.
195
Die Jungen Leute wollet lehrn/
196
Gott fürchten/ und die Alten ehrn/
197
Lebt mit den Nachbarn einig.
198
In Demut/ zucht und frommigkeit/
199
Der Jungen Frawen Spiegel seyt/
200
Geht ihnen vor in Tugend;
201
Lehret sie ihre Männer ehrn/
202
Das Hauß regiern/ die wolfart mehrn/
203
Vnd wol erziehn die Jugend.
204
Ein jeder lern sein
205
So steht im Hause alles schon/
206
Ist billig hoch zu preisen.
207
Darumb alß Wittwen auch gebührt/
208
Einen Christlichen wandel führt/
209
Mit Lehrn und Vnterweisen.
210
In der Armut gedültig seyt/
211
Frölich in widerwertigkeit/
212
Vnd lasset euch nicht grawen/
213
Hoffet das best/ und glaubet fest/
214
Daß Gott in noth nicht stecken lest
215
Die seiner zusag trawen.
216
So euch zufällt reichtumb und gelt/
217
Nach art der Welt euch dann nicht stellt/
218
Euch darin zuergetzen:
219
Sondern wie rechte Christen thut/
220
Die auff vergänglich/ irdisch gut
221
Hertz/ sinn und muth nicht setzen.
222
In Gottes freud die zeit vertreibt/
223
Leset und betet/ singt und schreibt;
224
Gebt gut Exempel allen:
225
Könnt ihr nicht lesen/ höret zu/
226
Vnd Meditiret in der ruh/
227
Daran hat Gott gefallen.
228
Sein lob wird dadurch außgebreitt
229
Vnd seines Namens herrlichkeit
230
Gebaw't an allen Orten;
231
Helffet dazu stets/ wo ihr künnt/
232
Vnd thut fleiß daß ihr viel gewinnt/
233
Mit Wercken und mit Worten.
234
Im guten leben wandelt fort/
235
Richtt ewer thun nach Gottes Wort/
236
Geht fleißig mit in Tempel;
237
Betrachtet was da wird geredt/
238
Vnd haltet euch stets am Gebeth/
239
Thut nach
240
Die ihr zeit in keuscheit zubracht/
241
Diente dem Herren tag und nacht/
242
Setzt auff ihn ihr vertrawen:
243
Drumb ward das heil ihr offenbart/
244
Diß ist der rechten Wittwen arth/
245
Gott wird ihr wolfart bawen/
246
Sie werden ihn anschawen/
247
Auff einer grünen Awen/
248
Selig sind solche Frawen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Anna Ovena Hoyers
(15841655)

* 01.01.1584 in Koldenbüttel, † 27.11.1655 in Gut Sittwick bei Stockholm

weiblich, geb. Hoijers

norddeutsche Dichterin der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.