Die Göttliche Fürsichtigkeit

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Anna Ovena Hoyers: Die Göttliche Fürsichtigkeit Titel entspricht 1. Vers(1619)

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Die Göttliche Fürsichtigkeit
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Mich trösten kan in allem leit;
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Denn was mir widerfahren thut/
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Heiß wie es woll/ böß oder gut/
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Das alles regiert Gott allein:
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Drumb kan ich allzeit frölich seyn.

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Daß ein Göttlich Fürsehung sey/
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Muß jederman bekennen frey/
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Dieweils so hell und offenbar/
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Auch in der heilgen Schrifft ist klar/
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Durch welche alles wolgeziert/
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Verordnet und regiret wird.
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Daß auch ohn die kein ding auff erd
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Geschehen ist/ und noch seyn werd/
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Wissen wir/ Gott sey lob und ehr/
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Denn es ist nichts von anfang her/
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Wird auch biß zum end nichts geschehn/
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Das nicht zuvor von Gott ersehn.
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Vnd wann wir ungezweiffelt diß
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Glauben/ und halten für gewiß/
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Daß gar nichts geschicht ohn gefehr/
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Kan uns kein unglück seyn zu schwer;
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Sondern wir können alß Gott will/
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Gedüldig seyn und in der still/
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Alles ertragen und außstehn/
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Weil wir wissen es muß so gehn;
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Denn was kan doch mehr frewd im leben
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Alß die Fürsehung Gottes geben?
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Wir wissen wie die Schrifft vermeldt/
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Daß unser hare sind gezehlt/
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Ein Sperling ohn Gotts willen nicht
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Felt auff die Erde/ Christus spricht.
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Wie solt nun dann uns Menschen doch/
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Was grössers widerfahren noch/
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Ohn Gottes Willen und Fürsehn?
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Fürwar es kan je nicht geschehn.
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Vnd wenn ich diß bey mir betracht/
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Mein Hertz für tausend Frewden lacht;
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Auch in der grösten Trawrigkeit/
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Kan es seyn voller Lust und Frewd;
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Dafür ich Gott lob/ preiß und Ehr/
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Will sagen allzeit immermehr/
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Das er durch seine Gnad und gunst/
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Lauter/ ohn mein verdienst/ umb sonst/
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Zu der Erkentnüß mich gebracht/
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Lob/ Ehr und Danck/ sey jhm gesagt;
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Er walle auch zu seinen Ehrn/
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Den Trost und diß erkentnüs mehrn
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In mein'm und aller menschen hertzen/
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Dadurch auch lindern alle schmertzen/
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Vmb Jesu Christ meins Herren willen/
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Bitt ich woll Gott mein Wunsch erfüllen.
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Amen Hanns Ovens Tochter spricht/
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Gott erhört es/ sie zweiffelt nicht.

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Gott Hat Vnser Hare Gezehlt.
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Gott Höret Vnd Heisset Gern.

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Vnd g'reicht zu seinen Ehren.
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Niemand kan solches wehren.
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Glück/ unglück/ todt und leben.
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Durch sein Fürsehn/ merck eben.
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Der in all seinen sachen
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Ihm diß kan nutzlich machen.
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Sein Gemüth überwinden;
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Kan er bald lindrung finden.
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Für Eitel und Vergänglich;
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Zu dem das überschwencklich;
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Weltfrewd kan er leicht meiden;
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Kan er gedultig leiden;
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Er hab viel oder wenig/
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In Gott/ mit dem er einig;
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Nach Gottes wolgefallen;
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Auch allzeit in den allen.

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Man kan Gott so viel gutes nicht
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Zutraw'n/ er ist noch besser.
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Groß übelthat hab ich verricht/
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Doch ist sein Gnad viel grösser.
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So ich im Glauben nur nicht gleit/
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Sondern steh' vest ohn wancken/
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Bleibt wol vest sein Barmhertzigkeit/
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Der ich will Ewig dancken.

81
Laß mich in frewd und schmertz ja nicht von ihm wancken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Ovena Hoyers
(15841655)

* 01.01.1584 in Koldenbüttel, † 27.11.1655 in Gut Sittwick bei Stockholm

weiblich, geb. Hoijers

norddeutsche Dichterin der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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