Ich sahe mit betrachtendem Gemüte

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Barthold Heinrich Brockes: Ich sahe mit betrachtendem Gemüte Titel entspricht 1. Vers(1713)

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Ich sahe mit betrachtendem Gemüte
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Jüngst einen Kirsch-Baum, welcher blüh'te,
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In küler Nacht beym Monden-Schein;
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Ich glaubt', es könne nichts von gröss'rer Weisse seyn.
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Es schien, ob wär' ein Schnee gefallen.
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Ein jeder, auch der klein'ste Ast
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Trug gleichsam eine rechte Last
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Von zierlich-weissen runden Ballen.
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Es ist kein Schwan so weiß, da nemlich jedes Blat,
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Indem daselbst des Mondes sanftes Licht
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Selbst durch die zarten Blätter bricht,
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So gar den Schatten weiß und sonder Schwärze hat.
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Unmöglich, dacht' ich, kann auf Erden
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Was weissers ausgefunden werden.
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Indem ich nun bald hin bald her
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Im Schatten dieses Baumes gehe:
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Sah' ich von ungefehr
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Durch alle Bluhmen in die Höhe
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Und ward noch einen weissern Schein,
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Der tausend mal so weiß, der tausend mal so klar,
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Fast halb darob erstaunt, gewahr.
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Der Blühte Schnee schien schwarz zu seyn
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Bey diesem weissen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht
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Von einem hellen Stern ein weisses Licht,
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Das mir recht in die Sele stral'te.
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Wie sehr ich mich an GOtt im Irdischen ergetze,
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Dacht' ich, hat Er dennoch weit grös're Schätze.
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Die gröste Schönheit dieser Erden
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Kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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