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Auf! auf, mein Geist! das mörderische Fieber,
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Das deinen Leib sehr Gefoltert und geplagt,
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Das dir so Blut als Hertz, recht wie ein Wurm, genagt,
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Ist, durch des Höchsten Huld, vorüber,
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Und der Gesundheit Sonnen-Schein
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Vertreibt den wilden Frost, der Marck und Bein erschüttert,
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Wodurch dein gantzer Leib, in grosser Pein, gezittert.
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Mich deucht', ich fühlte schon des Lebens Tacht verlodern;
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Mich deucht', ich säh mein Fleisch schon schwinden und vermodern.
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Bald klemmt' ein frostig Eis, und drückt' ein bitter Schmertz
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Fleisch, Sehnen, Hirn und Marck. Das sehr bedrängte Hertz
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Schlug ängstlich, klopft' und pochte,
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Genagt, erhitzt, gepresst von unsichtbarer Gluth.
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Das gantz verwirrte Blut
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Folg, tobte, schäumt' und kochte.
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Wie ein verschlossen Naß, das auf dem Feuer stehet,
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Bald auf- bald niederwärts voll Unruh braust und wallt:
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Wie ein verwehter Staub sich wirbelt, circkelt, drehet,
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In der bewegten Luft ohn' allen Aufenthalt;
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So wanckten Sinn und Geist, erbärmlich umgetrieben.
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Die Essens-Lust war fort, vom Schlaf war keine Spur:
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Nur Dust, in welchem doch fast wider die Natur
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Ein banger Eckel steckt, verzehrte meine Kräfte;
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Die starre Zunge lechtzt' und klebt' am dürren Gaum:
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Es war die Flüssigkeit der süssen Lebens-Säfte
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Verdünstet und verkocht: Ein schleimigt-zäher Schaum
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Band oft die Lippen fest; das Hertze wollte brechen;
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Oft schien sich's zu bemühn,
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Der Marter mit Gewalt sich selber zu entziehn,
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Zu steigen aus der Brust. Es ist nicht auszusprechen,
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Wie manche Leidenschaft des Leibes Qual noch häuft.
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Bald ward der Sinnen Schiff durch Hoffnung aufgehoben,
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Bald ins Verzweiflungs-Meer versencket und ersäuft
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Durch Schrecken, Furcht und Angst. Wie, wenn die Wellen toben,
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Wenn ihr beschäumter Grimm ein schwaches Schiff bestürmt,
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Wenn er mit falbem Schwall sich immer höher thürmt,
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Und dann im Augenblick, da Mast und Ruder bricht,
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Der Schiffer in der Fern' ein helles Licht
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Gantz unverhofft erblickt; das aber plötzlich schwindet,
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Er seine Noth fast mehr noch, als vorhin, empfindet;
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So ward auch ich, durchs Licht verhoffter Besserung,
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Das schnell verschwand, getäuscht. Verschiedene Gedancken
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Erquickten theils mein Hertz; theils rissen sie die Schrancken
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Bald kränckt mich der Verlust des neuen Ehren-Standes,
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Den ich mir, zu dem Dienst und Nutz des Vaterlandes,
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Von Gott geschenckt geglaubt: Mein frommes Eh-Gemahl,
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Fünf schöne Kinderchen vermehrten meine Plagen;
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Doch kann ich hievon mit Wahrheits-Grunde sagen,
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Daß alles dieses mir weit mindern Gram gemacht,
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Als mancher glauben wird, und als ich selbst gedacht.
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Dieß aber, wie ich es gar wohl erkennet habe,
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War ein besond'res Glück und Gottes Gabe,
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Daß ich Gut, Haus und Hof, Weib, Kinder, Ehr' und Leben
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Allein als Güter nahm, die Gott allein gegeben,
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Und die beständig Sein;
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Daß Er allein der Herr; daß sie mir nur geliehen;
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Daß ER gar wohl befugt, sie wieder zu entziehen.
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Und galub' ich, daß die beste Artzeney
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Mir die Gelassenheit gewesen sey.
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Itzt aber, da ich nun, durch Gottes Huld, genesen,
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Da ich nun wieder bin, was zuvor gewesen,
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Da aller Schmertz dahin, als ein leichter Schaum;
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Ist mir, ob wacht' ich auf aus einem schweren Traum,
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Der uns, bey dunckler Nacht, mit schwartzen Larven plaget,
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Mit Schreck-Gespensten droht; der aber, wenn es taget,
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Zusamt der Furcht verfleucht, Ich lebe wieder auf;
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Die Sinne schärfen sich;
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Des Blutes Circkel-Lauf
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Fliesst wieder ordentlich.
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Der Schlaf, die Essens-Lust,
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Erquicken mich aufs neu': Es labt die matte Brust
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Ein lieblich-löschender beschäumter kühler Tranck.
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Gib dann, o Gott, daß ich die Gnade wohl betrachte,
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Gib, da mein Leib gesund, daß ja mein Geist nicht kranck
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Um Undancks-Fieber sey, noch deine Huld verachte!
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Da diese Thorheit nun so allgemein;
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So ist sie auch der Grund von unserm Misvergnügen,
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Und unsers Elends Quell', allein.
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Man sieht, wie unser Hertz so trotzig und verzagt,
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Daß mir vor Angst vergehn, wenn uns was widrigs plagt,
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Und, wenn Gefahr und Noth uns kaum den Rücken kehren;
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Ist Danck- und Dencken aus. Man wird kaum einmal hören:
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Gott Lob! ich bin gesund! wie wohl ist mir anitzt,
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Da mich kein Schaudern quält, kein Brennen mich erhitzt,
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Kein ängstlich Weh beklemmt; kurtz, da ich nicht mehr kranck!
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Wie glücklich bin ich doch, wie schmeckt mir nun der Tranck,
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Wie niedlich meine Speis'! Ich aber dancke Dir,
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Allmächt'ger Artzt, lieb-reicher Gott, dafür,
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Und sprech' aus innerm Hertzens-Grunde,
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Mit Demuths- voller Brust und frohem Munde:
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Gott Lob! ich bin gesund! wie wohl ist mir anitzt,
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Das mich kein Schaudern qüalt, kein Brennen mich erhitzt,
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Kein ängstlich Weh beklemmt; kurtz, da ich nicht mehr kranck;
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Wie glücklich bin ich doch, wie schmeckt mir nun der Tranck,
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Wie niedlich meine Speis'! Ich dancke Dir,
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Allmäch'ger Artzt, lieb-reicher Gott, dafür,
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Und wünsche Demuths-voll, daß ich mein gantzes Leben,
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Mein Wollen, meine Kraft, Gesundheit und Verstand,
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Denn alles Gute kömmt aus Deiner Gnaden-Hand