Der Monat Junius beblühmte Feld und Auen

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Barthold Heinrich Brockes: Der Monat Junius beblühmte Feld und Auen Titel entspricht 1. Vers(1713)

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Der Monat Junius beblühmte Feld und Auen,
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Als ich, die Wunder-Pracht der Bluhmen zu beschauen,
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Im Garten gieng. Mein ält'ster Sohn lief mit;
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Sein reger Fuß hüpft' immer hin und her,
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Mit fröhlichem, fast nimmer stillem Schritt.
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Als er nun ungefehr
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Ein güld'nes Käferchen auf einer Rose fand;
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Ergriff er es mit seiner kleinen Hand,
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Und kam darauf, in vollen Sprüngen,
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Mir den gefund'nen Schatz zu bringen.
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Ich lobte seinen Fund, und nahm ihn lächelnd hin,
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Betrachtete, mit fast erschrock'nem Sinn,
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Die Schönheit, Farben und Figur,
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Mit welcher ihn die bildende Natur
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Begabt und ausgeziert.
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Durch's Auge ward mein Hertz gerührt,
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Als ich, mit höchster Lust, erblickte,
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Wie ihm Smaragd und Gold den glatten Rücken schmückte;
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Und ich bewunderte sein wandelbares Grün,
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Das bald wie Gold, bald wie Rubin,
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Und bald aufs neu Smaragden, schien,
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Nachdem der Fürst des Lichts auf seine Theilchen strahlte,
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Und die verschied'ne Fläche malte.

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Als ich mich lange nun an seinem Glantz ergetzet,
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Und diese Schönheit hoch geschätzet;
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Verspüret' ich, wie die veränderliche Pracht
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Mich allgemach auf die Gedancken bracht':
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Was sind die Farben doch? Nichts, als ein blosses Nichts.
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Denn, wenn der Schein des all-erfreu'nden Lichts
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Sich von uns trennet, schwinden,
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Vergehn und sterben sie; man kann nicht einst die Spur
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Von ihrer Pracht, von ihrem Wesen, finden.
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Dieß heisst mich weiter gehn, und auch: Was ist die Welt?
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Was ist das Irdische? Was ist die Creatur?
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Was sind wir selber? fragen;
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Worauf mir Gottes Wort, Witz und Erfahrung sagen:

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Farben sind es, was ihr sehet,
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Höret, riechet, schmeckt und fühlt.
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Ohne Gott, den Brunn des Lichts,
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Sind wir, und ist alles, nichts.
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Alles schwindet und vergehet,
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Was auch noch so herrlich spielt.

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Da ich dem Knaben nun das Würmchen wieder reichte;
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Entflog es ihm, und alle Freude mit.
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Kein Kummer war, der seinem gleichte;
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Es wanckte sein verwirrter Tritt;
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Er fieng erbärmlich an zu weinen;
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Die kleine Hand rieb die bethränten Augen;
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Er änderte Geberden und Gestalt,
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Und konnt' ihn nichts zu trösten taugen.
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Worüber ich denn hertzlich lachte;
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Doch änderte sich dieß mein Lachen bald,
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Als ich auch unser Werck und kindisch Thun bedachte.

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Ein Wurm ergetzt ein Kind, ein gelber Koth die Alten;
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Man will ihn mit Gewalt erhalten und behalten.
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Das Kind hat kurtze Lust, der Alte kleine Freude;
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So bald nur Wurm und Gold dahin sind, weinen beyde.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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