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Ein kühler Regen war gefallen,
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Die Luft war gantz von Düften rein,
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Es herrschet' überall ein heit'rer Sonnen-Schein,
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Man sahe, was man sah, als säh' mans durch Krystallen,
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Es gläntzt' und schien, bey aufgeklärtem Wetter,
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Die Luft noch einst so blau, das Feld noch einst so grün,
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Es gläntzten die getränckten Blätter,
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Es funckelt' jedes feuchte Kraut,
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Wenn sie der Sonnen Licht beschien,
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Und sich in jedem Tropfen bildet:
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Daher das helle Grün zugleich vergüldet,
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Mit Farben, ja so gar mit hellem Glantz, bemalt,
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Und recht illuminiret ließ,
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Inzwischen daß am Himmel sich,
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Nach ird'scher Art, auch eine Landschaft wies.
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Der Himmel schien bemüht, durch manchen Wolcken-Strich,
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Bald hohe Berge, flache Felder,
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Bald niedre Büsche, dicke Wälder,
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Ja bald ein Meer voll kleiner güld'ner Wellen,
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Bald Thier' und Vögel vorzustellen.
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Die Farben nun der zierlichen Figuren,
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Von allen diesen Creaturen,
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Sind Purpur, Silber, Gold, Carmin.
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Das Feld, an statt daß unsers grün,
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War blauer, als Ultramarin.
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Ich sah zugleich zwey weite Felder an,
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Von welchen man des einen Zier
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Mit einem gläntzenden Sapphir,
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Das andre mit Smaragd, gar wohl vergleichen kann.
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Ich sahe beyder Glantz von einer Höh'. Ich stutzte,
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Vor Anmuth und vor Lust, daß die Natur
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Mit Bildern, Farb' und Licht so Erd' als Himmel putzte.
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War unsre Landschaft Wunder-schön:
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So war die ob're fast noch schöner anzusehn.
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Verband man aber beyder Zier;
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So stellten sie dem fröhlichen Gesicht,
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Von Bildung, Farben, Glantz und Licht,
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Das herrlichste Spectackel für.
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Es schien, ob wollte die Natur,
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Wie sie so wohl an Farben, als Figur,
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Gantz unerschöpflich sey, uns weisen.
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Man sieht die Bilder dort, jedoch nicht minder schön,
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In andern, als bey uns gewohnten, Farben stehn.
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Man siehet güld'ner Berge Spitzen,
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Gebäud' aus hellem Silber blitzen:
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Man siehet Rosen-farb'ne Wälder,
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Man siehet Purpur-rothe Felder,
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Man siehet Büsche von Carmin,
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Ja Thier' und Vögel von Rubin.
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Ach, daß ein solches Farben-Spiel
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Uns doch ins Hertz, durchs Auge, fallen möchte!
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Ach, daß es uns doch nur so viel gefiel,
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Daß man, dadurch gerührt, am grossen Schöpfer dächte!
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Indem ich nun bewundernd stehe,
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Und Welt und Himmel gläntzen sehe:
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Werd' ich gewahr, daß sich das Licht
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Auf unsrer Welt, durch Schatten, artig bricht,
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Und dieß vermehrte noch die liebliche Gestalt.
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Hie stund ein Theil der Wiesen sanft verdunckelt,
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Und dort ein halber Wald,
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Inzwischen daß die andre Helfte funckelt,
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So, durch den Gegensatz,
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Noch so viel heller scheint. Hier sah' ich manchen Platz
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In einem gelben Licht', und einen dunckeln dort:
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Beyd' aber ändern sich. Ein itzt bestrahlter Ort
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Wird schatticht, und was itzt noch dunckel war,
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Tritt allgemach ins Licht, und stellt sich Wunder-schön,
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In einem hellen Schimmer, dar.
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Ein angenehm Gemisch von Schatten und von Licht
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Das an Veränderung am meisten sich ergetzet,
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Ein' ungemeine Lust. Ich dachte nach, woher
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Die Schatten ihren Ursprung nahmen,
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Und freute mich noch mehr,
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Als ich verspürete, wie sie
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Von oben von den Wolcken kamen.
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In welcher Einigkeit und süssen Harmonie
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Steht, sprach ich, itzt der Himmel und die Welt!
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Sie wird, da uns allhier der Schatten auch gefällt,
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Nicht nur mit Licht, mit Schatten auch, geschmückt.
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Durch diesen lieblichen Verband
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Des Himmels mit der Welt,
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Den ich so herrlich vorgestellt,
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Und mir vor Augen liegen fand,
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Ward meine Seele selbst, mein Innerstes, gerühret,
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Und, durch der Creaturen Pracht,
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Zu Dem, Der alles schöne macht,
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In froher Ehrfurcht so zu dencken, angeführet:
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Der Natur Buch giebt mir hier,
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Voller Wunder, Glantz und Zier,
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Deine Herrlichkeit zu lesen.
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Unsre Seelen wissen nicht,
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Sich was schöners vorzubilden;
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Aber ach, was muß Dein Licht
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In den himmlischen Gefilden,
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Ohne Schrancken, sonder Grentzen,
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Wo es unverhüllet, gläntzen!
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Welch ein seel'ger Anmuth-Strahl,
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Welche Vollenkommenheiten,
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Süßigkeiten, Herrlichkeiten,
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Sonder Ende, Maaß und Zahl,
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Werden alle Himmel schmücken,
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Und, mit ewigem Erquicken,
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Seel'ge Geister dort entzücken!
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Welch ein Abgrund voller Lust,
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Welche Tiefen voller Wonne
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Denen, die Dich sehn, bewust!
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Welch ein Meer von heil'ger Gluht
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Muß aus Deinem Throne quillen!
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Welche sel'ge Liebes-Fluth
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Muß der Himmel Himmel füllen!
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Ach, wie muß so überschwenglich
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Dort des Schöpfers eig'ner Schein,
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Da schon das, was nur vergänglich,
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So gar herrlich ist, doch seyn!
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Lasst uns doch, in diesem Leben,
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Seine Weisheit, Lieb' und Macht,
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In der Creaturen Pracht,
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Zu bewundern, uns bestreben!
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Sind wir, bey den ird'schen Schätzen,
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Ueber wenig treu gewesen:
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Wird Er uns zu mehr erlesen,
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Und dort über vieles setzen.