Als unser Theil der Welt sich neulich West-wärts lenckte

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Barthold Heinrich Brockes: Als unser Theil der Welt sich neulich West-wärts lenckte Titel entspricht 1. Vers(1713)

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Als unser Theil der Welt sich neulich West-wärts lenckte,
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Und in das dunckle Reich der kühlen Schatten senckte;
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Hatt' ein sanft-rauschendes und tröpfelnd Wolcken-Naß,
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So in der Luft gekocht, vom Himmels-Saamen schwanger,
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Das dürre Feld, den durst'gen Anger,
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Das lechzende Gesträuch, das welcke Laub und Gras
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Genetzt, getränckt, erquickt, erfrischet,
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Des Himmels männlich Feur mit ird'schem Saltz gemischet,
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Und neue Fruchtbarkeit in Schooß der Erde bracht.
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Es weht' ein frischer Wind aus kühler Mitter-Nacht;
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Der Himmel ward hiedurch von Duft und Dunst geläutert,
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Das Grentzen-lose Reich des Luft-Raums ausgeheitert,
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Und stellt, mit solcher Wunder-Pracht,
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In unergründlich-tiefer Ferne
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Der dünnen Luft, solch eine Menge Sterne
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Den starren Augen vor; daß, bey so heiterm Schein,
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Das düst're Blau gantz silbern schien zu seyn:
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Das Auge kann, an den gestirnten Höhen,
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Ein ewig Freuden-Feur, mit tausend Freuden, sehen,
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Das, Gott zur Ehre, strahl't und unverbrennlich brennt.
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Aus tausend Lichtern stammt ein allgemeines Licht,
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Durch welches jedennoch, mit immer regem Strahl,
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So mancher Sternen Glantz mit stärckerm Funckeln bricht,
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Und es bald stärckt, bald schwächt. Hier flammten ohne Zahl
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Viel tausend, welche theils, wie schütternde Rubinen
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In röthlich-reger Gluth, theils Diamanten gleich,
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(doch welch ein Edelstein war je so Feuer-reich?)
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Mit blendenden Schnee-weissen Blitzen, schienen.
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Jedweden sichtbar'n Stern umhüllt' ein weisser Schein
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Von Sternen, die in ungeheuren Höhen,
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So wie das Sternen-Heer des Milch-Weg's, nicht zu sehen:
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Daher schien jeder Stern ein Sieben-Stern zu seyn.

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Ob diesem der Natur so weiten Schau-Platz starrt
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Mein drin versinckend Aug'; die Seele wird gerühret;
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Es lässt, als wenn mein Hertz des Schöpfers Gegenwart
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In unaussprechlicher Pracht, Gröss' und Klarheit spüret.
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Mich deucht, ob säh' mein Geist den unsichtbaren Gott,
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Der selbst der Ewigkeit Unendlichkeiten füllet,
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Der Seraphinen Herrn, den Herrscher Zebaoth,
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Als wär' Er in ein Kleid von Glantz und Licht gehüllet,
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In ein unendlich Kleid, drauf, statt der Edelsteinen,
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Viel tausend tausend Sonnen scheinen,
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Statt Perl und Gold, viel Millionen Erden.
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Ach! rief ich, möcht' ich, dieß recht zu betrachten, taugen!
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Ach! möchte Leib und Geist, zu Gottes Ehr', zu Augen,
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Und dann, zu seinem Ruhm, zu lauter Zungen werden!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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