3. Der Schweizerbund

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Johann Kaspar Lavater: 3. Der Schweizerbund (1770)

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Sey ewig heilig, Schweizerbund!
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Wir sind vom Joche frey!
3
Heil schwur uns unsrer Väter Mund!
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Heil gab uns ihre Treu.

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Tyrannen herrschten weit und breit
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In unserm Vaterland,
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Das Herz voll Stolz und Grausamkeit
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Und Mord in ihrer Hand!

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Sie truzten, Recht, dir mit Gewalt,
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Bald löschten sie die Glut
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Der geilen Lüste, raubten bald
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Das schweißerrungne Gut.

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»was, freye Menschen, dulden wir
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Noch lang das Sclavenjoch?
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Tyrannen, wißt! wir sind, wie ihr
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So gut, sind Menschen doch«.

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So dacht' ein Patriotenklee,
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Voll Unmuth gings einher:
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»wenn's auch das Leben kostete,
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Das dulden wir nicht mehr«.

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Gerecht, o Arnold, ist dein Schmerz!
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»mein Vater, ach, ist blind!
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Tyrann«! – ja blute Sohnes Herz! –,
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»um meinetwillen blind«!

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Von Staufach dich vertreibt und höhnt
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Des Landvogts Übermuth,
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Der dir dein neues Haus mißgönnt,
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Gebaut aus eignem Gut!

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Und du nimmst willig, Walther Fürst,
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Dich der Bedrängten an.
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Sie wissen, daß du helfen wirst,
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Wo mann nur helfen kann!

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Des Vaterlandes Jammer liegt
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Auf Eurer Schulter schwer!
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Ihr sehet alles Recht besiegt
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Und alles hofnungleer.

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Erbliket manches schöne Thal
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Und manche Alpenhöh,
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Und alles, Menschen ohne Zahl,
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Voll Unmuth, Ach und Weh!

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Auch weint das künfftige Geschlecht
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Laut in der Helden Ohr:
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»hebt, Väter, – denn Gott hilft dem Recht –
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Zu Gott die Händ empor«!

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Da schwuren sie den theuren Eid
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Und schlugen Hand in Hand
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Zu retten von der Dienstbarkeit
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Das liebe Vaterland.

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Die stille felsigte Natur
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Sah sie auf ihrem Knie,
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Im Himmel hörte Gott den Schwur
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Und blickte Muth auf sie.

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Still drükte jeder seinem Freund
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Die Hand: »Sey Patriot«!
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Und jeder schwur, indem er weint,
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Der Tyrannie den Tod.

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Es kam die lang erseufzte Nacht,
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Und sie umarmten sich
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Und stiegen jeder wolbewacht
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Und dachte, Freyheit, dich.

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Die Mörder wurgen Mann für Mann
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Am sichern Morgen früh
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Und fielen die Tyrannen an
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Und banden tüchtig sie.

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Weg führten sie die Mörderschaar
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Ohn einen Tropfen Bluts
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Bis an die Gränzen. Alles war
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Nun frey und guten Muths.

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Sey ewig heilig, Schweizerbund!
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Noch izo sind wir frey!
71
Das Heil, das unsrer Väter Mund
72
Uns schwur, bewahre Treu!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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