Der dritte Titul soll von baar verleiten Sachen, was da zu halten sey, ein kurtz Gesetze machen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Gotthold Spindler: Der dritte Titul soll von baar verleiten Sachen, was da zu halten sey, ein kurtz Gesetze machen (1745)

1
Da aber nun der Schnee zu schmeltzen angefangen,
2
So ist die Schlitten-Lust zugleich mit untergangen.
3
Indeß hat mancher sich in grosse Schuld gesteckt,
4
Wie beygelegter Brief weitläufftiger entdeckt:
5
Herr Vetter,
6
weil ich weiß, daß sie mich zärtlich lieben,
7
So hab ich auch an sie hier diesen Brief geschrieben:
8
Der Zustand, wo ich bin, ist überaus betrübt,
9
Wenn nicht ihr guter Rath mir einen Beytrag giebt.
10
Als letzt ein derber Schnee in unsrer Stadt gefallen,
11
Und ich die Schlittenfahrt mit Schellen hörte schallẽ,
12
So dacht ich bey mir selbst, du wilst kein Pinsel seyn,
13
Und satzte mich sogleich in einen Schlitten ein.
14
Das Ding gefiel mir wohl, ich that es alle Tage,
15
Es hieng mir gleichsam an, als eine Fieber-Plage,
16
Nun aber, da es aus, so ist der Beutel leer;
17
Ach! wer nur nicht so viel dabey noch schuldig wär.
18
Hier überschick ich ihm die Sum̃a meiner Schulden:
19
Auf meine neue Uhr stehn ein und zwantzig Gulden,
20
Sechs Hemden schickt ich auch zu meiner Wäscherin
21
Der ich vor dieses mahl vier Thaler schuldig bin.
22
Das rothe Soñtags-Kleid mit silbernen Balletten,
23
Mein goldner Pathen-Ring, die Spitzen-Hand-
24
Manchetten,
25
Der Struv, der grosse Hopp, Bergers
26
Schilteri Synopsis Juris Canonici,
27
Der seidne Cammer-Rock, (und nehmen sies nicht
28
übel,)
29
Carpzovi Opera, und meine grosse Bibel,
30
Und alles, was bey mir nicht allzu mangelhafft,
31
Steht, wie ein Pursche sagt, ietzt zur Gevatterschafft.
32
Die Leute drohen mir, sie wollen mich verklagen,
33
Dem Vater darf ich nichts von meinem Unglük sagẽ,
34
Herr Vetter, thun sie doch die Gütigkeit an mir,
35
Und stellen der
36
Zwey hundert Thaler Geld kan alles wieder heben.
37
Sie könten dem
38
Ich hörte dieses Jahr gantz
39
Ich weiß, so thät ihm auch der Wechsel nicht so weh.
40
Ich bitte noch einmahl, sich meiner anzunehmen,
41
Die Schuldner werden mich sonst ehistens beschämẽ.
42
Doch ihre Gütigkeit verspricht mir wieder Ruh.
43
Davor verharr ich auch
44
Fahre zu.

(Spindler, Christian Gotthold: Unschuldige Jugend-Früchte. Leipzig, 1745.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.