Der dritte Titul soll von baar verleiten Sachen, was da zu halten sey, ein kurtz Gesetze machen

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Christian Gotthold Spindler: Der dritte Titul soll von baar verleiten Sachen, was da zu halten sey, ein kurtz Gesetze machen (1745)

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Das junge Musen-Volck in dem berühmtẽ Leiden,
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Ist bey der Schlittenfahrt vorjetzo voller Freuden,
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Spricht der Professor gleich:
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So überhebt man ihn doch aller seiner Müh.
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Die Schlitten gehen vor; Die Herren Stall-
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Philister
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Sind mehr als Phöbus werth, und alle Pallas-
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Priester.
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Und weil man auch dabey auf Zucht und Ordnung
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hält,
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So hat mn folgendes zur Richtschnur vorgestellt:
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Wenn nur ein Bißgen Schnee der Himmel fal-
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len lassen,
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Und überdeckte kaum das Pflaster auf den Gassen,
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So fahret immer fort; wenn aus den Steinen gleich
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Das Feuer häufig springt. Ist doch die Lust vor euch.
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Sucht schöne Schlitten aus, mit Schnitzwerck aus-
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gezieret,
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Mit Silber und mit Gold gemahlet und beschmieret,
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Damit es Fürstlich läst, wenn gleich das Schlitten-
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Pferd
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Als wie ein Wind-Hund sieht, und kaum das Fut-
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ter werth.
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Vergest die Schellen nicht; Dieselben an der Mütze,
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Die manchen erblich sind, sind dieses mahl nichts
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nütze.
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Sonst weicht euch niemand aus. Die Lust wird
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auch vermehrt,
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Wenn man sein Schlitten-Geld am Pferde klin-
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gen hört.
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Fahrt lieber in der Stadt als draussẽ auf dem Lande,
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Weñ da die Bahne gleich nicht in so guten Stande,
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So prahlts doch desto mehr. Denn würcklich jedes
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Hauß
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Stöst, wenn ein Schlitten kömmt, fast alle Schei-
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ben raus.
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Wer nun ein Mägdgen liebt, und weiß nichts aus-
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zusinnen,
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Wie er sich zeigen soll, der kan sehr viel gewinnen,
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Weñ er nett angeputzt, nebst seinem Schellen-Pferd
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Vor der Geliebten Hauß fein offt vorüber fährt.
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Das muß am Tage seyn; Wenn schon das Licht
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vergangen,
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So kan man nicht gar viel vor seine Kosten prangen,
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Man hätte deñ etwan ein Mägdgen statt der Fracht,
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Das schickt sich allerdings am besten in der Nacht.
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Wer Frauenzim̃er fährt, muß sich auf viel befleissen,
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Und ihr das Lenck-Seil nicht an ihre Backen
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schmeissen.
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Er werffe sie nicht um, weil das verdächtig klingt,
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Wenn eine Mañs Person ein Weib zu Falle bringt.
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Schafft gute Peitschen an, die gantz entsetzlich knallẽ,
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Daß selbst der müde Gaul zu Boden möchte fallen,
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Es läst studen τικῶς; wenn gleich die Einfalt spricht:
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Vor Kutscher stünd es wohl, doch vor Studenten
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nicht.
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Legt auch die Sporen an, die Mode will es haben,
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Ohnfehlbar wird das Pferd hernach viel stärcker
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traben,
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Der Anblick machet es von selbst genugsam scheu,
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Auch bricht man, wenn man fällt, viel ehr ein Bein
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entzwey.
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Wenn Frauenzim̃er fährt, so soll es sich bequemen,
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Pantoffeln auszuziehn, und Schuhe mit zunehmen,
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Wie leicht verliehrt man sie, den Strotz-Rock weg
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gethan,
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Sonst hängen sich von Schnee und Eiße Schollen
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dran.
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Gesetzt, es wäre kalt, es könt es niemand dauren,
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So muß ein junger Mensch doch nicht zu Hause
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lauren,
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Es sey dann, daß der Bart im ersten Käumen wär,
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So bleib er lieber weg, denn sonst erfrieret er.
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Das liebe Frauen-Volck darf nicht so viel befahren,
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Sie können Kopff und Brust mit warmen Peltz
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verwahren,
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Die Hände deckt der Muff, die Flaschen, Ziegelstein,
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Die Gieck, u. was sonst mehr, kan vor die Füsse seyn.
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Wer gar nicht fahren kan, soll sich zu Hauß ergötzen,
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Doch wenn er fahren will, sich in den Schlitten
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setzen.
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Fahrt euern Gulden ab, schreyt, jaget, peitschet
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drauf,
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Wer umgeschmissen wird, der stehe wieder auf.

(Spindler, Christian Gotthold: Unschuldige Jugend-Früchte. Leipzig, 1745.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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