Es weht ein Lied mir durch den Sinn

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Moritz von Strachwitz: Es weht ein Lied mir durch den Sinn Titel entspricht 1. Vers(1834)

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Es weht ein Lied mir durch den Sinn,
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Ein Lied, recht wunderbar,
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Das Lied von der reichen Königin,
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Die doch eine Bettlerin war.

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Zu des Königs Halle folgt mir hin,
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Vor des Prunksaals offne Tür:
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Im Saale stand die Königin,
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Vor ihr der Kavalier.

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Es war ein Junker edlen Stamms,
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Ein schlanker, kühner Fant.
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Ha wie das schwarze Galawamms
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Ihm zu Gesichte stand! –

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Der Junker neigt sich kalt und tief,
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Aus der Halle schritt er leis,
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Die Fürstin an das Fenster lief,
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Es war ihr gar zu heiß!

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Und wie sie sah vom höchsten Turm
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In den mondbeglänzten Gau,
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Da hob ein ganzer Wonnensturm
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Den Busen der schönen Frau:

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»soweit das Herz mir strebt und denkt
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In Erde, Meer und Luft,
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Soweit der Blick sich hebt und senkt
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In Tal und Bergesduft;«

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»soweit sich vor des Auges Strahl
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Des Himmels Bogen spannt,
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Soweit in Hütt' und Rittersaal
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Wird alles mein genannt.«

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»mein ist der Helden Heeresbann,
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Und mein ihr bester Ruhm,
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Mein ist der allerschönste Mann
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Im ganzen Königtum.«

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»mein ist sein Herz, und mein sein Mund,
34
Und mein sein Schwertesstreich,
35
Wie bin ich doch zu dieser Stund'
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So unermeßlich reich!« –

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Da ist die Fürstin schnell verstummt:
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Was rauscht im Garten dort!
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Es kommt zu ihr heraufgesummt,
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Wie flüsternd Liebeswort.

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Zwei Stimmen sind's, die erste, o!
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Die kennt sie allzugut,
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Die schwatzt so leicht und liebesfroh
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Von Lust und Liebesglut.

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Die spricht so ernst und schwört so heiß,
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Sie schweigt. – Da rauscht ein Kuß!
47
Der Fürstin starrt das Blut zu Eis,
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Es stockt ihr Hand und Fuß.

49
Sie sieht so starr ins Blaue hin
50
Im ungeheuren Harm. –
51
Wie war die reiche Königin
52
So unermeßlich arm!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Moritz von Strachwitz
(18221847)

* 13.03.1822 in Stoszowice, † 11.12.1847 in Wien

männlich, geb. Strachwitz

deutscher Balladendichter

(Aus: Wikidata.org)

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