Ins Meer zum süßen Zeitvertreib

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Moritz von Strachwitz: Ins Meer zum süßen Zeitvertreib Titel entspricht 1. Vers(1834)

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Ins Meer zum süßen Zeitvertreib,
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Da fährt des Paschas Lieblingsweib. –
3
Es schwimmt auf lauer Düfte Flut
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Ein Abend voller Farbenglut,
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Wie ihn die Liebe gern durchdehnt,
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Wie Ros' und Bülbül ihn ersehnt.
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Die Sonne wälzt ihr sprühend Rad
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Ins abendkühle Wogenbad
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Und preßt den letzten Flammenkuß
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Aufs feuchte Aug' des Bosporus.
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Wie liegt sie reich und üppig da,
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Die Kuppelstadt des Padischah,
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Wie eine Braut voll Reiz und Scham,
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Der man vom Aug' den Schleier nahm.
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Es spiegelt sich auf ebner See
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Der Silberhalbmond der Moschee,
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Und zitternd auf dem Flutenbett
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Wiegt Wimpel sich und Minarett. –
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Gemächlich, wie ein sanfter Schwan,
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Durchschwebt die Flut der bunte Kahn,
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Wie am Gestad' die Muschel schwimmt,
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Darin die edle Perle glimmt.
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Wie war sie schön vom Haar zum Fuß,
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Die Rose aus dem Kaukasus,
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Wie war ihr Auge blau und groß,
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Ein unermess'ner Meeresschoß.
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Wie war ihr Antlitz glanzbesonnt,
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Ein ganzer Liebeshorizont,
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So weiß und rot, so rot und weiß,
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Wie Morgenrot auf Kasbecks Eis.
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Ein Schwanenflaum der stolze Hals,
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Ein Silberschaum des Wasserfalls,
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Darauf die schwarze Locke lag,
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Wie dunkle Nacht auf lichtem Tag.
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Es floß der Kaftan himmelblau
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Rings um den Antilopenbau,
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Wie sich der Blätter wallend Kleid
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Rings um den Wuchs der Palme reiht.
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Sie war so voll und zart und schlank
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Ein fleischgewordner Saitenklang,
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Ein Strahl aus Allahs Diadem,
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Hell wie der Stern von Bethlehem.
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Doch bei der Houri Mund an Mund,
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Da sitzt ein junger Christenhund,
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Die Rechte führt des Ruders Last,
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Die Linke hält die Maid umfaßt.
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So oft der Streich im Wasser rauscht,
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So oft wird Kuß um Kuß getauscht.
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So haben sie manch laue Nacht
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Ins Meer die sel'ge Fahrt gemacht,
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Indes der Pascha traumumnachtet
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Nach seiner schönen Sklavin schmachtet. –
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Es senkt die Nacht sich ernst und hehr,
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Ein Riesenadler, übers Meer.
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Und matter wird des Nachens Schuß,
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Und heißer wird des Franken Kuß,
57
Bis Land und Meer sich schwarz vermummen
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Und Ruderschlag und Kuß verstummen. –

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Und wieder taucht im Wellenlauf
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Des Abends rosig Segel auf.
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Er schüttelt aus den Falten frisch
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Sein Rosenöl verschwenderisch.
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Und wieder naht die süße Frist.
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Am Ufer steht der junge Christ,
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Die Arme zum Umschlingen fertig,
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Die Seele heiß und lustgewärtig.
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Es fliegt sein Puls, sein Atem kocht,
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Sein Herz die Brandung überpocht,
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Es ist ihm schwül und bang, wie nie:
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»wo weilt sie denn, was zögert sie!?« –
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Und horch, was plumpt so dumpf und schwer
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Von jener Klippe in das Meer?
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Es schlägt die Flut, als wär' es Blei,
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Und horch, ein kurzer Weheschrei!
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Es hält sich zappelnd auf den Wogen
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Und schlägt im Wasser weite Bogen,
77
Aufschreit die See von beiden Seiten,
78
Das muß Entsetzliches bedeuten! –
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Fest stemmt der Christ den Ruderschaft
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Und stößt vom Sand mit Jugendkraft;
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Der Nachen übern Spiegel schoß,
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Als wie ein springend Perserroß,
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Wild schäumt die Woge hier und drüben
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Und scheint ihn wütend fortzuschieben.
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Da schwimmt es noch, es sinkt, es sinkt!
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Der Franke in die Wellen springt,
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Er greift es mit entschloss'nem Pack,
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Von Leder ist's ein schwerer Sack,
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Den zieht er schaudernd in den Kahn
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Und trennt ihn mit dem Jatagan.
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Was er gesehn und was er fand,
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Er hat es nimmermehr bekannt;
93
Um Ufersand zur selben Stund',
94
Da grub er ein den teuren Fund. –
95
Der Pascha ward nach wenig Wochen
96
Von eines Franken Dolch erstochen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Moritz von Strachwitz
(18221847)

* 13.03.1822 in Stoszowice, † 11.12.1847 in Wien

männlich, geb. Strachwitz

deutscher Balladendichter

(Aus: Wikidata.org)

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