Das Herz von Douglas

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Moritz von Strachwitz: Das Herz von Douglas (1834)

1
»graf Douglas, presse den Helm ins Haar,
2
Gürt' um Dein lichtblau' Schwert,
3
Schnall' an Dein schärfstes Sporenpaar
4
Und sattle Dein schnellstes Pferd!«

5
»der Totenwurm pickt in Scone's Saal,
6
Ganz Schottland hört ihn hämmern,
7
König Robert liegt in Todesqual,
8
Sieht nimmer den Morgen dämmern!« –

9
Sie ritten vierzig Meilen fast
10
Und sprachen Worte nicht vier,
11
Und als sie kamen vor Königs Palast,
12
Da blutete Sporn und Tier.

13
König Robert lag im Norderturn,
14
Sein Auge begann zu zittern:
15
»ich höre das Schwert von Bannockburn
16
Auf der Treppe rasseln und schüttern!«

17
»ha Gottwillkomm, mein tapf'rer Lord,
18
Es geht mit mir zu End'.
19
Und Du sollst hören mein letztes Wort
20
Und schreiben mein Testament:«

21
»es war am Tag von Bannockburn,
22
Da aufging Schottlands Stern,
23
Es war am Tag von Bannockburn,
24
Da schwur ich's Gott dem Herrn:«

25
Ich schwur, wenn der Sieg mir sei verliehn
26
Und fest mein Diadem,
27
Mit tausend Lanzen wollt' ich ziehn
28
Hin gen Jerusalem.«

29
»der Schwur wird falsch, mein Herz steht still,
30
Es brach in Müh' und Streit,
31
Es hat, wer Schottland bändigen will,
32
Zum Pilgern wenig Zeit.«

33
»du aber, wenn mein Wort verhallt
34
Und aus ist Stolz und Schmerz,
35
Sollst schneiden aus meiner Brust alsbald
36
Mein schlachtenmüdes Herz.«

37
»du sollst es hüllen in roten Samt
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Und schließen in gelbes Gold,
39
Und es sei, wenn gelesen mein Totenamt,
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Im Banner das Kreuz entrollt.«

41
»und nehmen sollst Du tausend Pferd'
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Und tausend Helden frei
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Und geleiten mein Herz in des Heilands Erd',
44
Damit es ruhig sei!«

45
»nun vorwärts, Angus und Lothian,
46
Laßt flattern den Busch vom Haupt,
47
Der Douglas hat des Königs Herz,
48
Wer ist es, der's ihm raubt?«

49
»mit den Schwertern schneidet die Taue ab,
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Alle Segel in die Höh',
51
Der König fährt in das schwarze Grab
52
Und wir in die schwarzblaue See!«

53
Sie fuhren Tage neunzig und neun,
54
Gen Ost war der Wind gewandt,
55
Und bei dem hundertsten Morgenschein,
56
Da stießen sie an das Land.

57
Sie ritten über die Wüste gelb,
58
Wie im Tale blitzt der Fluß,
59
Die Sonne stach durchs Helmgewölb',
60
Als wie ein Bogenschuß.

61
Und die Wüste war still, und kein Lufthauch blies,
62
Und schlaff hing Schärpe und Fahn',
63
Da flog in Wolken der stäubende Kies,
64
Draus flimmernde Spitzen sahn.

65
Und die Wüste ward voll, und die Luft erscholl,
66
Und es hob sich Wolk' an Wolk'.
67
Aus jeder berstenden Wolke quoll
68
Speerwerfendes Reitervolk.

69
Zehntausend Lanzen funkelten rechts,
70
Zehntausend schimmerten links,
71
Allah, il Allah! scholl es rechts,
72
Il Allah! scholl es links. –

73
Der Douglas zog die Zügel an,
74
Und still stand Herr und Knecht:
75
»beim heiligen Kreuz und St. Alban,
76
Das gibt ein grimmig Gefecht.«

77
Eine Kette von Gold um den Hals ihm ging,
78
Dreimal umging sie rund,
79
Eine Kapsel an der Kette hing,
80
Die zog er an den Mund:

81
»du bist mir immer gegangen voran,
82
O Herz! bei Tag und Nacht,
83
Drum sollst Du auch heut, wie Du stets getan,
84
Vorangehn in die Schlacht.«

85
»und verlasse der Herr mich drüben nicht,
86
Wie ich hier
87
Und gönne mir noch auf das Heidengezücht
88
Einen christlichen Schwerteshieb.«

89
Er warf den Schild auf die linke Seit'
90
Und band den Helm herauf,
91
Und als zum Würgen er saß bereit,
92
In den Bügeln stand er auf:

93
»wer dies Geschmeid' mir wieder schafft,
94
Des Tages Ruhm sei
95
Da warf er das Herz mit aller Kraft
96
In die Feinde mitten hinein.

97
Sie schlugen das Kreuz mit dem linken Daum',
98
Die Rechte den Schaft legt' ein,
99
Die Schilde zurück und los den Zaum!
100
Und sie ritten drauf und drein. –

101
Und es war ein Stoß, und es war eine Flucht
102
Und rasender Tod rundum,
103
Und die Sonne versank in die Meeresbucht,
104
Und die Wüste war wieder stumm.

105
Und der Stolz des Ostens, er lag gefällt
106
Im meilenweiten Kreis,
107
Und der Sand ward rot auf dem Leichenfeld,
108
Der nie mehr wurde weiß.

109
Von den Heiden allen, durch Gottes Huld
110
Entrann nicht Mann, noch Pferd,
111
Kurz ist die schottische Geduld
112
Und lang ein schottisch' Schwert!

113
Doch wo am dicksten ringsumher
114
Die Feinde lagen im Sand,
115
Da hatte ein falscher Heidenspeer
116
Dem Grafen das Herz durchrannt.

117
Und er schlief mit klaffendem Kettenhemd,
118
Längst aus war Stolz und Schmerz,
119
Doch unter dem Schilde festgeklemmt
120
Lag König Roberts Herz.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Moritz von Strachwitz
(18221847)

* 13.03.1822 in Stoszowice, † 11.12.1847 in Wien

männlich, geb. Strachwitz

deutscher Balladendichter

(Aus: Wikidata.org)

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