Ich will ein Lied Euch singen, ein Lied aus grauem Nord

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Moritz von Strachwitz: Ich will ein Lied Euch singen, ein Lied aus grauem Nord Titel entspricht 1. Vers(1834)

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Ich will ein Lied Euch singen, ein Lied aus grauem Nord,
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Von leuchtenden Schwerterklingen und kühnem Drachenmord,
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Ein Lied, das hier am rechten Ort und paßt für sonst und jetzt,
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Vielleicht, daß Euch ein altes Wort in junge Flammen setzt.

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Es war ein grimmer Drache, der Drache hieß Fafnir,
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Auf rotem Gold zur Wache, da lag das Schuppentier;
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Ich sag' Euch nicht des Hortes Wert, noch wie er ihn empfing,
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Ich sag' Euch, wie ein Heldenschwert dem Wurm ans Leben ging.

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Herr Sigurd, der Volsunge, der kühnste Held mit Fug,
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Der je ein Schwert im Schwunge durch harte Helme schlug,
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Der hatt' ein Schwert durch Göttergunst, ein Schwert von solcher Art,
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Wie nie durch Nordlands Schmiedekunst ein gleiches fertig ward.

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Ein Schwert, ein langes, breites, ein Schwert von scharfem Schliff,
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Ein Schwert, wie nie ein zweites durch zitternde Lüfte pfiff,
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Wie nie von Ritterlenden eh' ein Schwert zum Sporn geklirrt,
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Wie nie in Ritterhänden je ein Schwert im Zorn geschwirrt.

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Hin zu des Drachen Hecke, da ritt mit Stahl bewehrt
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Manch kampfesdurst'ger Recke, der niemals heimgekehrt;
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Da rief das junge Volsungsblut. »Den Lindwurm muß ich sehn,
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Ein altes Schwert, ein junger Mut, das läßt nicht untergehn!«

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Er blieb nicht stehn von weitem, den Drachen sprang er an,
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Ha was ein grimmes Streiten da Held und Wurm begann!
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Die Doppelzunge züngelte, der Rachen hauchte heiß,
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Der Schuppenschweif umringelte den Volsungssohn im Kreis.

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Es schritt der Held zu Streichen, die Klinge stieg und sank,
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Der Wurm begann zu keuchen, und Schupp' auf Schuppe sprang.
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Es schlug der König Mal auf Mal den ungefügsten Hieb,
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Der je ein Schwert aus gutem Stahl durch Panzerringe trieb.

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Was soll ich weiter sagen? Ihr wißt es, was geschah:
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Der Lindwurm lag erschlagen in zuckenden Stücken da.
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Wie sich im Drachenblute rot der Held den Leib gestählt,
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Das hat die Nibelungennot Euch lange schon erzählt. –

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Ein neuer Drache hütet des Goldes edlen Schein,
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Ein neuer Drache brütet und will bestritten sein,
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Das ist das Ellenkrämertum, das jetzt die Welt regiert,
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Was Poesie, was Lieb' und Ruhm! Es lacht und spekuliert.

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Erfroren sind die Saaten, die Völker schrein nach Brot,
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Er wälzt sich auf Dukaten und lächelt Eurer Not;
39
Ob Euch das Herz im Leibe bricht, ob gar ein Volk vergeht,
40
Das schiert die Krämerseele nicht, die Aktien ersteht.

41
Herr Sigurd, hör' uns flehen: Ersteh' aus kalter Erd',
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Und magst Du nicht erstehen, so leih' uns nur Dein Schwert;
43
Es ist zu dick das Drachenfell, ein jedes Eisen springt,
44
Wenn nicht Dein Zauberdegen schnell zum schwammigen Herzen dringt.

45
Wir schmieden scharfe Lieder aus uns'rem besten Stahl,
46
Der Drache reckt die Glieder und wehrt sich nicht einmal;
47
Wann wird der Jugend kräftig Mühn den Sieg der Kraft erschaun,
48
Wann wird der Degen Flammen sprühn, wann wird der Degen haun!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Moritz von Strachwitz
(18221847)

* 13.03.1822 in Stoszowice, † 11.12.1847 in Wien

männlich, geb. Strachwitz

deutscher Balladendichter

(Aus: Wikidata.org)

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