So bin ich endlich Dir entronnen

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Moritz von Strachwitz: So bin ich endlich Dir entronnen Titel entspricht 1. Vers(1834)

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So bin ich endlich Dir entronnen,
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Stadt der Kritik und Politik,
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Mich lockt hinaus der Maienwonnen
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Unwiderstehliche Musik.
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Fahr' hin, Du Lärm der Zeitungsblätter,
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Der widerwärtig gellend schallt,
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Mir ist, als hör' ich Horngeschmetter
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Aus einem fernen Buchenwald!

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Und nun, mit heil'gem Morgenstrahle
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Färbt sich der Hochwald grün und falb,
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Zu Füßen mir das Grün der Tale,
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Zu Häupten mir das Blau der Alp'.
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Die Lerche steigt in Flatterschwingung,
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Stumm ausgebreitet schwimmt der Weih',
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Das Reh durchbricht die Laubverschlingung,
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Und aus dem Strome schaut die Fei.

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Es spielen dunkelrote Lichter
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In meines Kelches Purpurnacht,
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Dir sei, o Kaiserin der Dichter,
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Romantik, dieser Trunk gebracht!
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Vor Deiner Erde, Deinem Wasser,
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In Deiner Luft und Deinem Licht,
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Wo mir kein Mißlaut Deiner Hasser
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Den sel'gen Taumel unterbricht.

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Du Schützerin des heil'gen Grales,
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Kriemhilde, die um Siegfried weint,
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Gespielin Du des Mondenstrahles,
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Der über Heldengräber scheint.
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Du bist Gesang im Stromgerolle
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Und Harfensausen in dem Baum,
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Du zogst zuerst ins Wundervolle
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Des ersten Dichters Maientraum.

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Du warst Frau Venus dem Tannhäuser
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Und Loreley dem alten Rhein,
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Du schwirrst am Teich durch Zitterreiser
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Als Erlenkönigs Töchterlein.
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Und seit das Volk, das kampfesblinde,
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Dich jüngst verstieß von seiner Seit',
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Trinkst Du im Wald die Milch der Hinde,
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Die Genoveva unsrer Zeit.

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Und doch, Verstoß'ne durch Verblendung,
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Wie bist Du reich, trotz Zeit und Zorn,
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Du leerst in göttlicher Verschwendung
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Tagtäglich noch Dein Wunderhorn.
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Ich grüße Dich mit frommem Sinne,
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Wie ist Dein Reich so grün und weit!
47
Du Fürstin vielgetreuer Minne,
48
Sei tausendmal gebenedeit! –

49
Es schweigt die Welt, die Zweige nicken,
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Und leise atmend pulst der See,
51
Es fällt ein märchenhaft Entzücken
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Mir übers Herz wie Blütenschnee.
53
Zur Andacht wird der Blätter Plaudern,
54
Ehrfürchtig liegt die Woge da;
55
Ha frommes Ahnen, süßes Schaudern,
56
Heil Dir, Romantik, Du bist nah'.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Moritz von Strachwitz
(18221847)

* 13.03.1822 in Stoszowice, † 11.12.1847 in Wien

männlich, geb. Strachwitz

deutscher Balladendichter

(Aus: Wikidata.org)

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