Fünf Jahre sind's; ein zwanzigjähr'ger Dichter

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Moritz von Strachwitz: Fünf Jahre sind's; ein zwanzigjähr'ger Dichter Titel entspricht 1. Vers(1834)

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Fünf Jahre sind's; ein zwanzigjähr'ger Dichter,
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Sang ich hinaus mein jugendlichstes Zürnen,
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Es war ein Büchlein, Ihr gestrengen Richter,
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Wie's keimend schießt aus gärenden Gehirnen.
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Ihr kostetet und schnittet wohl Gesichter,
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Denn gar zu unreif waren jene Birnen,
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Doch schien Euch manche süß und keine faulig,
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Nur Manchem war der »Graf« zu schwer verdaulich.

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»mir ist auf Erden wenig quer gegangen,«
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So sang ich damals! Kindisches Bezeigen!
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Wenn prahlerisch des Glückes Zinnen prangen,
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Dann kommt der Sturm, sie in den Staub zu neigen,
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So ward verhöhnt mein loderndes Verlangen,
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Gestürmt mein Himmel, der da hing voll Geigen.
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Und von der ganzen Saat aus jener Sphäre
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Ist dieses Buch die einz'ge volle Ähre.

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Doch fürchtet Nichts! Es ist kein Buch der Tränen,
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Nicht jedes Herz ist gar so leicht zerrissen;
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Wenn andre weinen, knirsch' ich mit den Zähnen
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Und habe so mein schärfstes Weh verbissen.
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Was braucht die Welt bei
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Was braucht die Welt von jedem Schmerz zu wissen?
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Nur Weiber heulen vor gesamtem Volke,
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Die heit're Kunst ist keine Tränenwolke!

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Ich fasse gern mit einem kühnen Griffe
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Ein ernstes Heldenbild vergang'ner Tage;
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Es kennt mein Lied viel perlenreiche Riffe
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Im unerschöpften Meeresgrund der Sage;
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Ins starke Nordland führt es Euch zu Schiffe
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Damit es Euch uralte Schlachten schlage,
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In Eures Himmels jammervoller Leere,
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Da zeigt es Euch den Stern gewes'ner Ehre.

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Frei blaut auch mir des Geistes kühnste Ferne,
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Doch hab' ich nicht verlernt vor Gott zu beten,
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Von Frauenliebe sing' ich gar zu gerne,
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Drum hab' ich nie mit Füßen sie getreten.
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So kann ich nicht, wie Eure jüngsten Sterne,
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Die Zwitter vom Roué und vom Propheten,
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Den höchsten Gott und dann mein Lieb bewitzeln,
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Ich mag Euch nicht mit solchem Schmutze kitzeln.

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So ist mein Lied, o daß es Euch erbaue,
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Mag es vielleicht ein Freundesherz erschüttern,
43
Mag es zu Dir, Du allerschönste Fraue,
44
Als des Verbannten tönend Heimweh zittern! –
45
Mein Vaterland, dem bald der Himmel blaue,
46
O, lächle mir aus ringenden Gewittern;
47
Mein Vaterland, das Männerworte richtet,
48
O, richte Du: Der Mann hat deutsch gedichtet! –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Moritz von Strachwitz
(18221847)

* 13.03.1822 in Stoszowice, † 11.12.1847 in Wien

männlich, geb. Strachwitz

deutscher Balladendichter

(Aus: Wikidata.org)

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