Die ihr aus dichtgedrängten Räumen heut

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Robert Eduard Prutz: Die ihr aus dichtgedrängten Räumen heut Titel entspricht 1. Vers(1844)

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Die ihr aus dichtgedrängten Räumen heut
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Dem Spiel entgegenlauscht, das wir bereiten:
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Erlaubt, daß ich mit flücht'gem Wort zuvor
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An dieses Tages festliche Bedeutung,
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Geneigte Hörer, euch erinnern darf.
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Denn hochbeglückt vor vielen seiner Brüder,
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Mit einem Namen, dessen Widerhall
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Lebendig tönt in jeder deutschen Brust,
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Mit Schillers Namen schmückt sich dieser Tag!
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Längst zwar ihn selbst, den Frühverklärten, deckt
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Die stille Gruft: doch leuchtend drüber hin,
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In unvergänglich jugendlicher Schöne,
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Vom Morgenglanz der Zukunft angestrahlt,
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Schreiten die Geister seiner Dichtungen,
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Sieghaften Gangs, und streun den Samen aus
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Der neuen Zeit.
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Ein Fest des Lebens denn
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Dem urlebendig Leben Spendenden!
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Vergessen sei, die ihn verhüllt, die Gruft,
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Und heitern Muts, gleichsam als lebt er noch,
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Als quölle noch, in unversiegter Fülle,
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Der Strom der Lieder aus lebend'ger Brust,
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Begehen wir, in feiernder Gemeinschaft,
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Den holden Tag, da er ins Leben trat.
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Den Meister ehrt zumeist sein eignes Werk.
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Drum auch des Schauspiels leichtgeschürzte Muse,
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Sie, die vor vielen ihm verpflichtet ist,
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Weil sie die schönsten Kränze, die sie schmücken,
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Die köstlichsten aus seiner Hand empfing –
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Welch bess'res Denkmal könnte sie ihm weihn,
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Als wie sein eignes, ewiges Gedicht?! –
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Gedenkt der Zeiten, da dies Werk entstand!
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Im trüben Anfang war es des Jahrhunderts,
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Da über Deutschland mitternächtig, drohend,
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Die Wolke hing des nahen Untergangs,
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Des selbst verschuldeten! Vom Neid der Fürsten
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Langsam zernagt, zerfetzt von seiner Bürger
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Selbstmörderisch wahnwitz'ger Eifersucht,
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In Trümmer sank des Reichs ehrwürd'ger Bau;
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Schon westwärts dröhnte des Erob'rers Fuß,
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Und jammervoll, ein preisgegebnes Weib,
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In Tränen lag, ohnmächtig hingegossen,
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Das Vaterland – und fühlte schon die Ketten,
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Die seine eignen Kinder schmiedeten!
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Und fühlte schon auf der erlauchten Stirn
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Die Eisenfaust fremdländ'scher Tyrannei! –
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Und da, da war's! Einsam, in enger Zelle,
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Bei nächt'ger Zeit, den Sternen zugekehrt,
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Aus denen er des Lebens Flamme sog,
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Da ließ der Dichter seinen Tell entstehn!
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Für die kein Raum mehr war auf deutscher Erde:
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Vaterlandsliebe, Mannesmut und Stolz,
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Die trotz'ge Würde eines freien Volks,
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Das aus dem Himmel seine Rechte holt –
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Sie flüchteten in des Poeten Herz
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Und schufen hier, damit die künft'ge Zeit
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Nicht ganz verarmt an großen Mustern sei,
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Der Freiheit Festtragödie, Wilhelm Tell! –
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Es war des teuern Dichters letztes Werk,
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Das Testament, mit dem er Abschied nahm
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Von dem geliebten, seinem deutschen Volk.
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In eigner Brust vorahnend seinen Tod,
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Dem Schwane gleich, der in Gesanges Wogen
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Melodisch ausströmt seines Blutes Quell,
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Ließ er den Pfeil des Lieds noch einmal steigen –
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Und traf zerschmetternd des Tyrannen Herz!
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In andern Bahnen wandelt andre Zeit.
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Die Schwerter ruhn, kein äußrer Feind bedroht
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Den holden Frieden unsers Vaterlands,
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Und fröhlich blühen Handel und Gewerb.
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Doch aneinander rüstig pralln die Geister,
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Hier ist das Schlachtfeld der verjüngten Zeit:
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Nacht kämpft mit Licht, die Wahrheit mit der Lüge,
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Und wiederum, die Völker zu betören,
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Steckt mancher Geßler manchen Hut empor! –
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In diesem Sinn empfangt heut unser Spiel!
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Und wenn der Dichtung zauberische Kraft
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Das tiefste Herz in Mitgefühl euch löst:
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Ihr seht die Zeichen flammen von den Bergen,
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Ihr murmelt leis den Schwur des Rütli nach,
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Und hört, was Attinghausen sterbend spricht,
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Das köstliche: Seid einig, einig, einig –!
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O seid gedenk, es hab euch auch gemeint!
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Es braucht die Wahrheit ihre Kämpfer auch,
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Der Sieg des Geists will auch errungen sein:
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O seid denn einig für den Kampf der Zeit,
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Seid einig, einig für des Volkes Rechte,
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Seid einig, einig, wo die Freiheit ruft!
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So wird in euch der Geist des Dichters wach,
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So, Freunde, wird's ein echtes Schillerfest!
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Denn alle Kunst ist Blüte nur und Saat:
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Die wahre Frucht des Lebens ist die Tat.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Robert Eduard Prutz
(18161872)

* 30.05.1816 in Stettin, † 21.06.1872 in Stettin

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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