Für Robert Blum

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Robert Eduard Prutz: Für Robert Blum (1844)

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Ein Lied! Ein Lied! Wie dumpfer Trommeln Schlag
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und hell und stürmisch wie Posaunenklang!
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Ein Lied, wie man nur einmal dichten kann,
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bei dem die Jungfrau Tränen weinen mag,
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doch nach dem Schwerte zürnend greift der Mann;
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ein Siegeshymnus und ein Grabgesang,
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ein Lied, wie ein Choral im Heiligtum:
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Ein Feierlied für Robert Blum! –

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O Robert Blum! Mit deiner breiten Brust,
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dem trotz'gen Hals, dem kräftigen Genick,
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der starken Hand, voll Schwielen, aber rein –
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Mit deinem Mund, so schelmisch und voll Lust –
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Mit deines Auges halb umflortem Schein,
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und doch wie treu, wie kindlich dieser Blick –
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O Robert Blum, jetzt erst, jetzt wird uns klar,
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du selber warst das Volk, fürwahr!

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Im Gut' und Bösen, treulich, wie es ist,
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das deutsche Volk, und wie's gezogen ward:
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Zum Mißtraun rasch, noch rascher zum Vertraun,
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zu fromm nicht bloß, zu ungeschickt zur List,
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doch stets bereit, Luftschlösser sich zu baun;
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weich in Gedanken, nur in Worten hart;
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wie Gold so treu, und felsenfest im Schmerz –
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Ein unverfälschtes deutsches Herz! –

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Und dieses Herz, vor dreien Tagen nun
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hat des Kroaten Kugel es zerwühlt,
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gedankenlos, als wär's ein Tier, ein Baum;
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bleich und verwelkt, die starken Hände ruhn,
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das Auge brach – o fürchterlicher Traum!
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Still steht der Busen, der so warm gefühlt –
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Nicht Blum allein: das ganze deutsche Land,
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da liegt es blutend unterm Sand!

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Und doch, und doch – bezähmt den wilden Schmerz:
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Die Tränen hemmt, die auf der Wange glühn,
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und haltet noch, o noch das Schwert zurück!
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Denn diesem Sande wird ein Baum entblühn,
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darunter wohnt des deutschen Volkes Glück,
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der Baum der Freiheit, ragend himmelwärts:
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Vor diesem Blut, o glaubt es sicherlich,
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entfärbt noch mancher Purpur sich!

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Du aber schlaf in deiner kühlen Gruft,
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von keinem Mal bezeichnet, eng und klein,
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zerstampft vielleicht von des Kroaten Tritt:
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Und doch so lang noch wehet deutsche Luft,
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in allen Zweigen weht dein Name mit
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und wird unsterblich, wie die Sterne, sein!
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Schlaf, schlaf, o Freund: Dein Grabesheiligtum
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ist unser Herz, o Robert Blum!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Robert Eduard Prutz
(18161872)

* 30.05.1816 in Stettin, † 21.06.1872 in Stettin

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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